Montag, 28. April 2014

Odense BK - Aalborg BK 2:3

Der Tabellenführer zu Gast bei der Mittelfeldmannschaft aus Fünen. Dieses Duell zweier enorm spielstarker, aber mit unterschiedlichen Defensivproblemen kämpfender Teams versprach schon im Vorfeld zu einer torreichen Angelegenheit zu werden - und entwickelte sich zu völligem Wahnsinn.

Grundsituation


Beide Teams zogen sich zunächst in ihr übliches 4-4-2-Mittelfeldpressing zurück und ließen die gegnerischen Innenverteidiger gewähren. Um die einrückenden Außen und den resultierenden Zentrumsfokus der Gäste in den Griff zu bekommen, bot OB-Trainer Troels Bech eine horizontal sehr enge Mittelfeldkette auf und verordnete verschiedene, flexibel ausgeführte Manndeckungen gegen die AaB-Offensive. Die Außenverteidiger blieben dabei tief und attackierten situativ ihre aufrückenden Pendants, während die Flügelspieler meist Kusk und Thomsen deckten, vereinzelt aber auch auf die Außenverteidiger rücken konnten. Die Sechser übernahmen flexible Deckungen auf die Spieler im Zentrum und die Innenverteidiger setzten die Stürmer bei Zuspielen unter Druck.

Startformationen
Aus ihrer Grundordnung heraus schoben aber beide Teams gerne auch in ein zustellendes (Aalborg) oder durchziehendes (Odense) Angriffspressing heraus. Allderings agierten beide Teams dabei nicht besonders gut abgestimmt, bei Aalborg stellten die Stürmer die gegnerischen Innenverteidiger zu, während Risgaard sich um den tieferen der beiden Sechser kümmerte. Da Odenses Außenverteidiger zunächst sehr tief standen und den Blau-Weißen auch zuzutrauen war, das Pressing des Gegners spielerisch zu knacken, mussten Aalborgs Flügelspieler weite Wege gehen, um Ruud und Diarra in ihren Zugriffsradius zu bekommen. Das sorgte für einige große Unkompaktheiten dahinter, die die Gastgeber auch vereinzelt auszunutzen wussten. Diese wiederum hatten ähnliche Schwierigkeiten beim Übergang ins hohe Pressing, allerdings lagen diese eher an Unkoordiniertheit der aggressiven Doppelspitze mit dem Mittelfeld.

Auch ihre Grundordnung um das wie üblich etwas instabile zentrale Mittelfeld fing nach ein paar gelungenen Defensivszenen zu Beginn recht bald an zu bröckeln: Mit ihren tollen Bewegungen im zweiten Drittel fanden die Gäste in eine sichere und hohe Zirkulation, die sich dem Druck der beiden Pressingspitzen entzog. Hieraus konnten sie gegen das enge Mittelfeld immer wieder Räume auf den Seiten freiziehen und suchten den schnellen Angriffsvortrag über äußere und halbäußere Bereiche, bei denen sie beispielsweise einmal auch gestaffelte Läufe andeuteten, um den Gegner am Zurükrücken zu hindern und einen Tempovorteil zu erzielen. Bestenfalls kamen sie direkt zum Abschluss, ansonsten versuchten sie die raumsuchenden Läufe ihrer zentralen Akteuere mit Flanken zu bedienen, die auch die eine oder andere individuelle Schwachstelle bei OB aufdeckten. Das 1:0 nach einer Hereingabe aus dem Halbfeld entstand aus nur einer von mehreren hochwertigen Chancen in der ersten Viertelstunde, bei denen sie vor allem ihre Klasse bei Kontern und Schnellangriffen ausspielten.

OB überlud indes wie gehabt massiv die rechte Seite. Dazu rückte Larsen weit herüber und sollte mit Bewegungen an der letzten Linie den Halbraum öffnen, in den sie hineinzukombinieren versuchten. Zwar kamen sie über den sehr präsenten Falk zu ein paar feinen Szenen, bei denen sie von vereinzelten Unkompaktheiten der Gäste profitierten, die wie schon erwähnt einige Male nicht geschlossen genug ins Angriffspressing aufrückten oder sich horizontal strecken ließen, scheiterten allerdings an kleineren Ungenauigkeiten, beispielsweise der nicht idealen Einsynchronisierung von Abdellaoues Läufen, während später auch die Abstimmung mit Spelmann und Larsen ein wenig verloren ging.

Weiterer Spielverlauf


Nach der spektakulären Anfangsphase normalisierte sich das Spiel ein wenig. Zwar blieben die Bewegungen der Gäste nach wie vor hochklassig, aber im Passspiel verloren sie ein wenig Zug und ließen sich häufiger auf dem Flügel drängen, während sie gleichzeitig weniger Dribblings für sich entscheiden konnten und ein paar Bälle verloren. Mit Risgaards schwierig zu übernehmenden Vorstößen auf den rechten Flügel und ihrem üblichen Spiel durchs Zentrum hatte Odense mit ihren manchmal unpassend angelegten Mannorientierungen allerdings nach wie vor Schwierigkeiten.

Die Gastgeber kamen indes zu etwas mehr Ballbesitzanteilen, hatten aber offensiv wegen den oben genannten Problemen weniger gefährliche Szenen. In dieser Phase versuchten sie ihren Kombinationen mit den nachrückenden Ruud und Schoop etwas mehr Pepp zu verleihen, wirkten dabei aber nicht ideal abgestimmt. Im weiteren Spielverlauf verloren sie dann ein wenig den spielerischen Fokus und spielten einige uninspirierte lange Bälle auf die rechte Seite, was die spielgestalterische Verantwortung wieder auf die Seite der Gäste schob und ihr Offensivspiel wieder abhängiger von den gegnerischen Fehlern machte. Das brachte ihnen vor dem Pausentee tatsächlich noch den einen oder anderen ordentlichen Angriff ein.

Der Wahnsinn beginnt...


Zur zweiten Hälfte musste Bech den angeschlagenen Falk ersetzen und brachte den direkteren Kadrii als positionsgleichen, aber offensiveren Ersatz. Wenige Minuten nach Wiederanpfiff drehten sie das Spiel: Eine Ecke brachte den Ausgleich, bis AaB zwei Minuten später die Quittung für ihre offensive und zu unbalanciert abgesicherte Ausrichtung erhielt und ein verdientes 3-gegen-3-Kontertor durch Kadrii hinnehmen musste.

Dieser wirkte wesentlich passender für die neue Spieldynamik. Sie konnten mit der zusätzlichen Präsenz in letzter Linie besser nach vorne kommen und strahlten wesentlich mehr Gefahr aus. Auf der anderen Seite funktionierten ihre Manndeckungen allerdings immer noch mittelmäßig, jedoch intensivierten sie zumindest ihren Zentrumsfokus, indem Spelmann und Larsen konsequenter gegen Thomsen und Kusk arbeiteten. Letzterer blieb allerdings auch vereinzelt höher und spielte den entscheidenden Part im offensiven Umschaltmoment.

Aus dieser offenen Grundsituation heraus nahm das Spiel nun eine unheimliche Dynamik und Intensität an - AaB zerriss Odenses mannorientierte Defensivordnung, OB überrannte AaBs entblößte Abwehr. Erst mit der Zeit und der Einwechslung von Achter O'Brien für Emil Larsen ließ das Tempo ein wenig nach und die Ballbesitzphasen auf Seiten der Gäste wurden länger. Sie kamen nun vermehrt über weiträumige Vorstöße hinter die Abwehrlinie, die nicht richtig aufgenommen werden konnten, oder nutzten Risgaard, um das Zentrum für Kombinationen freizuräumen. Letztlich waren sie es, die zum Torerfolg kamen und mit einer klug gespielten Flanke ausgleichen konnten.

Im Anschluss an den erneuten Führungstreffer leisteten sie sich allerdings vermehrt leichte Fehler und mehrere unkontrollierte lange Bälle. OB kam dadurch wieder ins Spiel und nutzte ihre nun weniger geballte Formation, um Formationslücken zu bespielen und raumgreifender nach vorne zu kommen, beispielsweise über den bis dato schlecht eingebundenen Abdellaoue. So kamen beide Teams gegen die instabile Defensive des Gegners noch zu vielversprechenden Angriffen, wobei sich Rasmus Würtz in einer Szene als Torwart betätigen durfte. Es sollten keine Tore mehr fallen.

Auf ewig unvollendet?


Ein Spiel, das Fans von Tempo und Spektakel begeisterte und Freunde von sauberer Defensivarbeit Kopfschmerzen bereitete. Der Sieg war wegen den beiden verweigerten Handelfmetern in der Schlussphase natürlich glücklich, aber aufgrund der konstanter gefährlichen Offensivanlage der Nordjütlander nicht unverdient. Dennoch muss sich Kent Nielsen um seine Defensive Gedanken machen, die heute so instabil wie selten war.

Auf der anderen Seite schien die Partie für OB schon fast Symbolcharakter zu haben: Durch die schlechte Platzierung in der Liga ist es gut möglich, dass einige Leistungsträger den Verein verlassen werden. Ihr radikaler Offensivansatz scheiterte immer wieder an der Detailabstimmung und entfaltete diese Saison nie die Wirkung, die mit OBs außergewöhnlicher Kaderzusammensetzung möglich gewesen wäre. Interessant wird sein, wie sie die wahrscheinlichen Abgänge auffangen werden und ob sie ihrem ambitionierten Konzept treu bleiben werden, oder ob sie, wie in diesem Spiel, einen Paradigmenwechsel vollziehen werden.

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