Dienstag, 7. Oktober 2014

Superligaen: Brøndby IF - Aalborg BK 2:1

In der dänischen Liga trafen am Wochenende zwei taktisch sehr starke und bisweilen spektakuläre Mannschaften aufeinander, die sich beide nach größeren oder kleineren Umbrüchen noch in der Findungsphase befinden. Auf der einen Seite der Kopenhagener Club Brøndby IF, der diesen Sommer unter anderem mit den Verpflichtungen von Daniel Agger und Johan Elmander Aufmerksamkeit erregte. Auf der anderen Seite der letztjährige Überraschungsmeister und Pokalsieger, der mit tollem Fußball beeindrucken konnte, aber dieses Jahr noch nicht an die sensationelle Vorsaison anknüpfen kann.

AaB ohne sein Herzstück, Brøndby beginnt dominant


Die Gäste mussten zunächst einmal auf zwei wichtige Akteure verzichten, zum einen fehlte der etatmäßige Sechser Rasmus Würtz wegen einer Gelbsperre, zum anderen wurde dessen herausragendem Partner Kasper Risgård wegen der Europa-League-Belastung geschont und saß erst einmal nur auf der Bank. Diese beiden Ausfälle bedeuteten eine erhebliche Schwächung für die Nordjütländer: Der alternde Würtz-Ersatz Thomas Augustinussen fällt spielerisch ein wenig ab, während für Risgård der eigentliche Linksaußen Nicolaj Thomsen in die Mitte rücken musste und dafür mit Frederik Børsting und Andreas Bruhn zwei Nachwuchsspieler auf den wichtigen Außenpositionen zum Einsatz kamen.

Startformationen
Der Hauptstadtclub setzte indes auf Altbewährtes und ergänzt es mit namhaften Neuzugängen. Die Doppelsechs bildete nach wie vor der sehr präsente und umtriebige Kahlenberg zusammen mit dem sehr guten Ankerspieler Martin Ørnskov (kein einziges Länderspiel - verrückt). Zusammen mit der spielstarken Aufbaureihe um Dumic, Agger und Hradecky kümmerten sie sich um die Spieleröffnung. Davor spielte Hjulsager beweglich und einrückend, während Rashani sehr breit agierte und eher raumöffnend wirkte. Auf der Zehn spielte Neuzugang Elmander als Wandspieler und sollte mit seiner Technik Bälle behaupten; teilweise fiel er auch weit zurück und half dabei, das Spiel nach vorne zu tragen. Ergänzt wurde die Offensive vom sehr aktiven Pukki, der viel in die Breite und Tiefe arbeitete.

Die erste Viertelstunde dominierten sie über ihr sehr gutes Angriffspressing: Dabei nutzte das Team von Thomas Frank viele herausrückende Bewegungen, hohe lokale Kompaktheit und Flexibilität. So wurden die Mittelfeldaußen Aalborgs je nach Situation vom Außenverteidiger, einem Sechser oder den eigenen Außenstürmern übernommen. Dafür rückten die Flügelspieler bei Brøndby extrem weit ein und nahmen dem Gegner damit die Optionen im Zentrum, insbesondere sicherten die Außenverteidiger ihre Kollegen sehr gut ab, indem sie bei eigenen Angriffen in die Halbräume schoben. Offene Räume, die durch das hohe Attackieren entstanden waren schwierig bespielbar und wurden meist von Ørnskov kontrolliert. Aalborg konnte dadurch nicht richtig aufbauen; sie nutzten zwar weit ausweichende Bewegungen ihrer Stürmer, um diese für Ablagen einzubinden, aber die Innenverteidiger Brøndbys gingen recht weite Wege um Jacobsen und Helenius unter Druck zu setzen. Außerdem fehlte den beiden hin und wieder das Timing im Absetzen vom Gegenspieler, sodass gerade Dumic viele Anspiele auf Helenius antizipieren konnte. Auch hätten sie insgesamt ambitionierter aufbauen können, aber wählten auch bei kleineren Pressinglücken des Gegners den unpräzisen langen Ball.

Nach Ballgewinnen und im geordneten Aufbau versuchten die Gastgeber nun sehr massiv den Raum vor der gegnerischen Abwehr zu überladen. Kahlenberg rückte dazu weit auf und bot sich in den Zwischenräumen an, wo sich ansonsten auch Elmander anspielbar machen sollte. Diese nicht immer auf Verbundenheit ausgelegten Staffelungen attackierten sie dann über verschiedene Wege, aber immer sehr bestimmt mit direkten Pässen in den Zehnerraum. Über den rechten Flügel entstanden zum Beispiel gute Synergien um Hjulsager herum, zumal hier die defensive Abstimmung zwischen Gorter und Bruhn nicht immer optimal war. Eine andere Möglichkeit waren lange Bälle in die letzte Linie. Dieses Mittel nutzten sie in der Vergangenheit besonders gern als Simon Makienok vorne noch sein Unwesen trieb. Der 2 Meter lange Sturmtank konnte damals mit einer fast schon unfairen Konstanz lange Bälle behaupten und ablegen, spielt aber inzwischen in Italien bei Palermo. Anstatt nun Johan Elmander mit langen Bällen zu suchen, arbeiteten sie mehr mit Zuspielen in die Tiefe, die gar nicht unbedingt auf den Mann kamen, sondern vorrangig die gegnerischen Abwehr zurückdrängen sollten. Die dritte und gefährlichste Möglichkeit waren vertikale Zuspiele aus dem Mittelfeld heraus. Anschließend fokussierten sie entweder das Zusammenspiel zwischen Pukki und Elmander, bei dem allerdings ein bisschen noch das Feintuning fehlte, oder versuchten Kahlenberg und damit Verbindungen in Spiel zu bringen. Letztere Variante brachte das 1:0 in der 42. Minute.

Zwischendurch hatten die Kopenhagener jedoch nach der starken Anfangsviertelstunde etwas den Faden verloren. Aalborg kam mehr in's Spiel und konnte mit einer verbesserten Einbindung ihrer Flügelzange, bei gleichzeitigem leichten Nachlassen des Pressings der Hausherren, an Gefährlichkeit zulegen. Kamen sie ansonsten allenfalls mal über die Flügel nach vorne, schafften sie es nun auch in die zentralen Bereiche und konnten auch nach Ecken ein paar Mal gefährlich kontern, wobei Bruhn und Børsting auch individuell starke Aktionen zeigten. Gleichzeitig ließ Brøndby offensiv etwas nach, insbesondere kippte Kahlenberg ein paar Mal zu weit ab und fehlte damit als entscheidender Anbindungsspieler, sodass seine Kollegen einfacher auf dem Flügel isoliert werden konnten.

Krasse Wechsel


Die ersten 15 Minuten nach der Pause gehörten erneut den Gastgebern. Inzwischen agierten sie einen Tick breiter in ihrem Angriffsvortrag und brachten von rechts auch mal die eine oder andere Flanke herein, ohne jedoch ihren Schwerpunkt aufs Offensivzentrum zu verlieren. Ansonsten spielte sich viel unter den Gesichtspunkten der ersten Hälfte ab und Brøndby konnte mit ihrem Angriffs- und Gegenpressing viel Zugriff erlangen.

In der 60. Minute kam dann Risgård für Børsting und Aalborgs Offensivspiel erfuhr eine deutliche Steigerung. Seine Pressingresistenz und seine Ruhe am Ball sorgten dafür, dass Aalborg den eigenen Angriffsrhythmus freier gestalten konnte und Bewegungen vielseitiger bespielbar wurden. Kurz darauf ließ sich der Gast jedoch unter dem gegnerischen Druck zu einem zu kurz geratenen Rückpass verleiten, den Pukki dankend verwertete.

Daraufhin wurde Sören Frederiksen, seines Zeichens Mittelstürmer, für Linksverteidiger Donny Gorter eingewechselt. Er ging allerdings nicht in die Sturmmitte oder zumindest ins Mittelfeld, sondern übernahm 1:1 die Position des Niederländers. Er führte einen Einwurf aus, rückte auf und visierte diagonal den Sechzehner an. Brøndby, diesmal im Mittelfeldpressing, konnte im Zentrum kurzzeitig keinen Druck auf dem mittlerweile auf Rechtsaußen gewechselten Thomsen ausüben und dieser spielte einen flachen Pass durch zwei Linien hindurch in den Lauf von Frederiksen. Anschlusstreffer. Kann man mal machen.

In der Folge kam noch einmal Spannung auf. Dank Risgård legte AaB zu und mit den beiden sehr aggressiven (Ex-)Stürmern als Außenverteidiger wurde nun ein druckvolles Flügelspiel, ergänzt mit ein paar guten langen Bällen, aufgezogen. Daraus hätten sie durchaus noch den Ausgleich erzielen können, aber verdient wäre er wohl nicht gewesen.

Fazit


Ein Spiel mit unterschiedlichen Phasen, in dem mal die eine und mal die andere Mannschaft ihre Klasse zeigen konnte. Ohne wichtige Schlüsselspieler und ohnehin mit ein paar Problemen in der Eingespieltheit ausgestattet, waren die Gäste aus Aalborg aber letztlich knapp unterlegen. Bei Brøndby ist weiterhin Detailarbeit angesagt. Die Integration der Neuzugänge ist gerade in der Offensive noch nicht abgeschlossen, während das Pressing, zumindest in dieser Partie, bereits wieder sehr zu gefallen weiß.

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