Sonntag, 9. November 2014

11. Spieltag: Werder Bremen - VfB Stuttgart 2:0

Im "Topspiel der Kellerkinder" schlägt Werder Bremen verdient den VfB Stuttgart. Das Spiel wurde stark von den Ideen des Heimtrainers Viktor Skripnik bestimmt, der damit die Partie kontrollieren und letztlich entscheiden konnte.

Mischformation und Zentrumsüberladungen


Formationen zu Spielbeginn
Bremen begann in einer ungewöhnlichen, Richtung 4-3-2-1 tendierenden Rautenformation, in der Bartels als rechtsseitiger Zehner hinter Elia und di Santo spielte. Defensiv wurde es zu einem 4-4-1-1 mit Bartels als Rechtsaußen und Elia als hängender Spitze. Das System war von vielen Mannorientierungen geprägt, so zum Beispiel auf den Außenbahnen, wo Junuzovic und Bartels lose die Stuttgarter Außenverteidiger verfolgten. Auch gab es viel gutes Herausrücken aus den beiden Viererreihen, welches für Druck sorgte. Außerdem konnte Elia von seiner hängenden Position aus immer wieder Lücken zwischen den Mittelfeldspielern anvisieren und zulaufen.

Die Hausherren hatten überdies einen guten Plan in Ballbesitz. Stuttgarts Pressing war von der Höhe her in etwa so angelegt wie gegen Wolfsburg und ähnlich problematisch. Harnik und Maxim bewegten sich ein bisschen zu symmetrisch, während sich das Herausrücken dahinter schwierig gestaltete: Auch der VfB spielte nämlich recht mannorientiert und hatte mit den zahlreichen möglichen Orientierungspunkten in Bremens Offensivzentrum sichtlich Probleme. Gentner wurde so ein paar mal von Fritz auf die Außenbahn gezogen und ließ Romeu dann mit einem Haufen Gegenspieler allein. Elia und di Santo blockten in solchen Situationen die Abwehrkette, sodass Junuzovic und Bartels andribbeln konnten. Diese Szenen spielten die Werderaner jedoch nicht zielstrebig genug aus.

Manndeckungen setzen den VfB schachmatt


Die prägendste Maßnahme von Skripnik war allerdings, dass er Romeu von Elia und Rüdiger von di Santo manndecken ließ. Einen besonderen Effekt hatte das zunächst nicht, da Gentner etwas tiefer spielte als sonst, und daher vor Rüdiger und neben Romeu als Anspielstation bereitstand. Das Aufbauspiel blieb daher vorerst druckvoll und weiträumig genug, um Verschiebelücken bei Werder zu öffnen. Allerdings machten strukturelle Probleme die spielerischen Ansätze zunichte: Maxim positionierte sich stark linksseitig und fiel gerne aus der Formation heraus, womit das Offensivzentrum etwas unterbesetzt war. Auf rechts gab es daher keine guten Verbindungen, sodass Harnik und Sararer einfach isoliert werden konnten. Die linke Seite war daher etwas gefährlicher, aber bevor sich hier Durchschlagendes entwickeln konnte, stellte Skripnik bereits um.

Di Santo, der in der Anfangsphase noch Manndeckung auf Rüdiger spielte, nahm nach etwa 15 Minuten Schwaab in Visier. Das war aus zwei Gründen wirkungsvoller: Zum einen verkörpert Schwaab im Aufbauspiel schlicht Weltklasse und ist damit eine große individuelle Gefahr, zum anderen gab es durch Gentners linksseitige Position keine konstanten Verbindungswege in den rechten defensiven Halbraum. Romeu fiel als Anspielstation nämlich ebenfalls weg, da Elia dem Spanier an den Fersen klebte. Folglich musste der VfB über die linke Seite eröffnen und kam damit überhaupt nicht zurecht.

Das erste Problem war, dass es keine Verschiebelücken in Bremens Formation mehr gab. Die Gastgeber konnten weit auf den Flügel rücken und hatten außerdem Elia in Lauerstellung, um die Verbindungswege zu blockieren. Beim VfB gab es darauf nur unzureichende Reaktionen. Sararer beispielsweise konnte gegen Wolfsburg, als die Überladezone noch direkt in seiner Umgebung war, mit kleinräumig anpassenden Bewegungen punkten. Nun da er sich zunehmend selbst einbinden musste, agierte er aber zu breit, anstatt mit einer strukturbewussten Positionierung für Anbindung zu sorgen. Später versuchte das Klein vereinzelt und schob weit ins Mittelfeld nach. Allerdings wurde der Österreicher, womöglich als "zu riskante" Option, ignoriert.

Di Santo und Elia decken Schwaab und Romeu, wobei Elia außerdem den Kontakt zum Mittelfeld hält. Der VfB reagiert darauf mit schlechten bis miserablen Staffelungen, wie hier zum Beispiel.

Die fehlende Besetzung der Verbindungsräume induzierte in der Folge einen blödsinnigen und ineffektiven Flankenfokus. Dieser äußerte sich letztlich in ideenlosen Halbfeldflanken, Eckfahnendribblings von Kostic und ähnlichem Quatsch. Ordentliche Szenen entwickelten sich nur, wenn Romeu und Schwaab sich mal von ihren Bewachern lösen konnten, oder Harnik auf die Seite kam und mit seinen Ablagen Dynamik reinbrachte. Die Anschlussaktionen und -staffelungen waren aber auch in diesen Fällen zu schlecht, um effektiv zu werden.

Die Bremer wiederum konnten mit ihrer sehr kompakten Staffelung auf zweite Bälle und einzelnen Kontern ein paar Akzente setzen, hatten aber wegen dem Stuttgarter Aufrücken über die Seite insgesamt nicht mehr so viele Offensivszenen wie in der ersten Viertelstunde. Ein Standard, den die Gäste abenteuerlich verteidigten besorgte dann die alles andere als zwingende, aber nicht unverdiente 1:0-Führung.

Nach der Pause


Die klare Strukturiertheit der ersten Hälfte verwässerte nach der Pause ein bisschen. Elia und di Santo spielten nicht mehr ganz so konsequent gegen Romeu und Schwaab, sodass die beiden etwas mehr Einfluss aufs Spiel nehmen konnten. Darüber hinaus ging Maxim mehr auf die rechte Seite und sorgte damit für einen etwas ausgeglicheneren Angriffsvortrag. Die Staffelungen blieben aber auch weiterhin Mist: Links waren nun Sakai und Kostic isoliert, was den Serben zu noch mehr Unfug verleitete. Um Maxim herum gab es dagegen immer wieder ordentliche Kombinationsansätze, aber eine brauchbare Vernetzung durch den Zehnerraum fehlte nach wie vor. Der VfB biss sich somit weiter am Flügel fest. Gleichzeitig gab es die üblichen Stuttgarter Zweite-Halbzeit-Probleme, die Bremen das Kontern einfacher machten.

Mit der Einwechslung von Makiadi für Elia nach 55 Minuten spielte Werder nun noch 4-4-1-1-iger mit Bartels als hängender Spitze und Fritz als Rechtsaußen. Damit wurde auch die Manndeckung auf Romeu aufgehoben und Bartels setzte den Spanier nur noch situativ unter Druck. Es folgte eine druckvollere Ballzirkulation seitens der Gäste, die beim Gegner auch Lücken aufriss, aber wegen der oben genannten Probleme nicht viel nutzte.

Eines der seltenen Beispiele für eine synergetischere Einbindung der Flügelspieler. Zwar entsteht hieraus keine direkte Chance, aber man kann immerhin Werders Viererkette unter Druck setzen, gegenpressen und eine Ecke rausholen.

Um die 65. Minute herum wechselte dann Veh zwei Nachwuchskräfte ein: Werner und Baumgartl ersetzten Sararer und Schwaab. Kostic ging damit auf die rechte Seite und konnte von dort aus nach innen ziehen, was ein paar halbwegs gefährliche Szenen einbrachte. Für gute Verbindungen konnte aber auch Werner, der selbst am liebsten in die Spitze geht, nur ganz vereinzelt sorgen. Die Auswechslung von Schwaab war grundsätzlich auch nicht uninteressant: Ohne seinen eigentlichen Gegenspieler änderte di Santo sein Verhalten gegen den Ball ein bisschen. Manchmal deckte er Baumgartl sehr eng, manchmal überhaupt nicht. Wirklichen Einfluss aufs Spiel hatte der 18-Jährige aber auch in letzterem Fall nicht, da sein Aufbauspiel ohne Eingespieltheit mit den Kollegen (verständlicherweise) ziemlich fehlerhaft war. Der VfB durfte aber inzwischen ohnehin meist über seine Mittelfeldspieler aufbauen und er konnte sich auf einfache Pässe beschränken.

Fazit


Unsere Tore waren kein Zufall. Gerade die Variante bei dem zweiten Eckball haben wir im Training einstudiert und diesmal hat sie funktioniert. - Viktor Skripnik

Das Trainerduell am Samstagabend geht ganz klar an den Coach der Werderaner. Dass seine einstudierte Standardvariante letztlich das Spiel entschied war dabei nur das i-Tüpfelchen auf einer gut angepassten Defensivvorstellung, mit der Skripnik sämtliche Schwächen des Stuttgarter Spiels gnadenlos offenlegte. Das Frustrierende daran, aus VfB-Sicht, ist, dass es mal wieder exakt die selben Probleme waren, die schon zu den Niederlagen gegen Köln, Hoffenheim & Co. gesorgt haben. Diese Spiele sind jetzt 2 Monate her, aber an den Grundproblemen hat sich seitdem nicht das Geringste geändert, und das trotz voller Trainingswochen ohne Zusatzbelastung. Vehs Wirken beim VfB bleibt bislang eine große Enttäuschung.

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