Sonntag, 1. Februar 2015

18. Spieltag: VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach 0:1

Irgendwas Neues vom VfB beim Rückrundenauftakt? Nicht wirklich.

Formationen
Noch die größte Änderung im Vergleich zu den letzten Spielen der Hinrunde war die ungewohnte Formation, die sich nicht mehr als das 4-1-3-2-artige Gebilde vom Dezember, sondern als deutliches 4-1-4-1 darstellte. Wegen der recht positionstreuen Spielweise der Gladbacher resultierten daraus klare Zuordnungen im Mittelfeld: Gentner und Leitner spielten mannorientiert gegen Kramer und Xhaka und rückten gelegentlich mit ihrem Gegenspieler im Deckungsschatten auf die gegnerischen Innenverteidiger nach, während Romeu meistens die hängende Spitze Max Kruse verfolgte. Dahinter spielte wie gewohnt Außenverteidiger gegen Außenstürmer und in weniger ausgeprägtem Maß Außenstürmer gegen Außenverteidiger, wobei Klein ein bisschen flexibler agierte als Werner und auch mal Kruse oder einen der Sechser anlief. Ähnliches galt in gewohnter Weise für Schwaab und Hlousek.

Damit einher ging eine kleine Asymmetrie gegen den Ball: Auf der rechten Seite konnte der VfB mit Klein mehr Druck ausüben, während durch Werners Mannorientierung auf Korb links ein bisschen Raum gelassen wurde. Harnik rückte bei Gelegenheit oft aus der Mitte bogenartig auf die linke Seite und versuchte Stranzl, der oft rechter Halbverteidiger in Gladbachs Aufbaudreierketten war, von seinen Kollegen abzuschneiden.

Schwammige Organisation vs Inkonsequenz


In dieser durchaus ordentlichen Grundausrichtung gab es allerdings einige bereits bekannte Probleme. Teilweise gab es zum Beispiel Unstimmigkeiten, wer den gegnerischen Außenverteidiger aufnehmen sollte, denn Favre passte seine Mannschaft gut an, indem er Korb und Wendt ungewohnt weit aufrücken ließ. Manchmal ließen sich so der Stuttgarter Außenstürmer und der Außenverteidiger gleichzeitig nach hinten drücken, während der gegnerische Flügelspieler frei wurde. Ein anderes Thema waren die großen Räume im Mittelfeld, die durch die Manndeckungen aller drei Mittelfeldspieler aufgingen. Gladbach hatte auch passende Mittel, um diese auszunutzen, vor allem Johnson sollte als einrückender Flügelspieler die Freiräume ausnutzen. Dazu kam es allerdings zu selten, da Gladbach im Ballbesitzspiel sehr inkonsequent agierte und auch die eine oder andere strategische Schwäche zeigte.

Die Fohlen ließen sich über das gesamte Spiel hinweg viel zu oft zum einfachen Ball den Flügel entlang hinreißen. Dort wollten sie dann über die Halbzonen weiterkombinieren und so nach vorne kommen. Da Kruse hierzu sehr weit auf die Flügel auswich, konnte Romeu allerdings unkompliziert nachschieben und diese Ansätze der Gladbacher gut isolieren. Weil die anderen Spieler grundsätzlich nahe an ihren Positionen blieben, gab es ansonsten wenige Übergabemomente und die Zuordnungen blieben klar und zugriffsfähig.

Es gab im Wesentlichen nur eine kurze Phase, in der Gladbach zeigte, wie es eigentlich besser geht. Etwa um die 20. Minute herum konzentrierten sie sich vermehrt auf ihr typisches Kreuzen. Dazu bildeten sie unterschiedliche Pärchen, zum Beispiel Xhaka mit Kramer, oder weiter vorn der diagonal einrückende Herrmann mit dem ausweichenden Hrgota, oder (potentiell am effektivsten) der weit nach rechts rückende Kruse mit dem bereits angesprochenen Johnson. Borussias Linksaußen konnte sich durch sein eigentlich Gladbach-untypisches Einrücken seines Manndeckers Schwaab entledigen und bekam dank Kruses Bewegungen enorm viel Raum. Wegen strategischen Unzulänglichkeiten und vielleicht auch einer gewissen Festgefahrenheit in den Abläufen bekamen sie Johnson allerdings nicht richtig bedient.

Aus mir unerfindlichen Gründen wurde diese kurze Phase dann außerdem nicht fortgesetzt und Gladbach orientierte sich wieder stärker an ihrer Grundordnung mit den zu isoliert ablaufenden Mechanismen und den nur leicht in den Halbraum einschiebenden Außen.

Improvisiert statt organisiert


Grundsätzlich zeichnet sich der VfB auch im neuen Jahr unter Stevens nicht durch besonders hohe defensive Stabilität aus. Im Gegenteil, es reichte beispielsweise eine kleine Fehlpositionierung von Harnik oder ein Überspieltwerden im hohen Pressing und die Manndeckungen ziehen eine Kettenreaktion von improvisierten Übergabemomenten nach sich, an deren Ende manchmal ein völlig chaotisches Gebilde steht, das den Angriff gerade noch so irgendwie klären kann. Stevens' Pressingsystem wird und wurde auch gegen die Borussia vor allem von der konsequenten Passivität, der nicht ganz einfach zu bespielenden Endverteidigung und von intelligenten Defensivspielern getragen.

Zu diesen Spielern gehörten in dieser Partie vor allem Romeu und Baumgartl, die mit teils sehr großen Räumen umgehen mussten. Romeu spielte wie erwähnt mannorientiert gegen Kruse, aber löste sich auch immer wieder geschickt von ihm und übernahm einen der Außenspieler oder gar einen Sechser. Mit seinem Antizipationsgeschick war er oft zur Stelle, wenn entscheidende Löcher im Mittelfeld aufzugehen drohten, und trug damit wesentlich zur Stabilisierung des Systems bei. Baumgartl wiederum demonstrierte als absichernder Nebenmann von Niedermeier ein gutes Stellungsspiel und sammelte die meisten abgefangenen Pässe beim VfB (4). Die Szenen, in denen Gladbach mal einen freien Mann in hohen Zonen fand und sich (auch für den Gegner) etwas unübersichtliche Staffelungen in der letzten Reihe bildeten, konnten auch dank ihm meist noch bereinigt werden.

Stuttgarter Offensive


Im Angriffsspiel waren es im Grunde die selben Probleme wie sonst auch, die sich für die Null beim VfB verantwortlich zeichneten. Der Ansatz war, mit dem ausweichenden Harnik und einem Achter simpel die Flügel zu überladen. Da Gladbach allerdings vorbildich kompakt war, entfaltete das ansonsten gewohnt unambitionierte Ballbesitzspiel des VfB wenig Wirkung.

Das Konterspiel wiederum war sehr zwiespältig angelegt. Grundsätzlich versuchte der VfB, über Harniks Ausweichen hinter die Außenverteidiger, oder sogar den teilweise weit herausschiebenden Stranzl zu kommen. Dadurch, dass Gladbachs Sechser normalerweise nicht für die Absicherung in letzter Linie verantwortlich sind, und man mit der passiven Ausrichtung einen gewissen lockenden Effekt im Pressing hatte, klappte das auch ganz gut. Wenn die Gäste den Ball mal in unkompakten Stellungen verloren, kam der VfB dann über Außen mitunter sehr direkt hinter die Abwehr.

Problematisch war allerdings, dass Harnik anschließend unpassend viel kreative Verantwortung im Weiterführen der Aktion zufiel. Außerdem war das Nachrücken aus dem Mittelfeld fast schon Veh-haft schwach. Das sorgte auch dafür, dass nicht ganz so unmittelbare Umschaltsituationen überhaupt nicht gefährlich wurden.

Entwicklung der Partie


So kam es dazu, dass beide Mannschaften nur teilweise zu guten Offensivszenen kamen und viel über die in diesem Spiel beiderseits sehr gefährlichen Standards ging.

Mit der Zeit versuchte Gladbach öfter, die beiden Sechser mit Vorstößen in die Offensivabläufe einzubinden. Besonders, wenn Kramer mal nach vorne ging, gab es die eine oder andere gute Szene, in der er das dünn besetzte Zentrum attackieren konnte. Insgesamt ging Gladbach dabei aber nicht gezielt genug vor und überfüllte eher noch zusätzlich die flügelnahen Bereiche.

Das entscheidende Tor fiel letztendlich aus einem Konter der Gladbacher. Zuvor hatte Stevens Ibisevic eingewechselt, der wenige Minuten später den entscheidenden Lauf im Gegenpressing verpasste und damit den gegnerischen Konter ermöglichte. Im Anschluss bespielte die Borussia einfach die extrem weit auf die Seite verschobene Viererkette und bekam den vorher ballfernen Außenstürmer frei - ein weiteres Zeichen für die Instabilität des VfB. Das anschließende Präsenzgebolze brachte, selbst mit dem wahrscheinlich vielseitigsten Flügelpärchen des Weltfußballs auf links, keinen Treffer mehr ein.

Fazit


Der VfB macht exakt da weiter, wo er vor mehr als einem Monat aufgehört hat. Stevens navigiert in seinem limitierten Fußball zwar ganz ordentlich, aber die Basis ist leider auch nach der Wintervorbereitung nicht besonders gefestigt. Von einem ernst zu nehmenden Offensivspiel ganz zu schweigen. Es bleibt abzuwarten, ob das für den Klassenerhalt reicht.

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