Donnerstag, 5. Februar 2015

19. Spieltag: 1. FC Köln - VfB Stuttgart 0:0

Im Duell zweier disziplinierter Kontermannschaften konnte der VfB lange Zeit etwas mehr überzeugen, bis Köln sich mit einer entschlossenen Schlussphase beinahe noch den Sieg schnappte.

Formationen
Im Vergleich zum Spiel gegen Mönchengladbach änderte Stevens nur eine Position: Mit Sararer für Werner setzte er auf der linken Seite im wahrsten Sinne des Wortes einen neuen Impuls. Im Mittelfeld gab es derweil einen Seitentausch zwischen den beiden Achtern, die dieses Mal etwas 4-2-3-1-hafter ausgerichtet waren, als noch am Samstag.

Die Maroh-Falle


Die wichtigsten Anpassungen waren allerdings die im Verhalten gegen den Ball. Harnik nahm nach etwa 10 Minuten Kölns spielstarken Innenverteidiger Kevin Wimmer in Manndeckung. Wenn Köln dann vorhersehbar über die rechte Seite aufbaute, rückte er auch manchmal isolierend herüber und forcierte den Ballgewinn. Nebenmann Maroh wurde dagegen nicht angelaufen (114 Ballkontakte - mit Abstand die meisten), während der abkippende Lehmann und seltener Vogt oft von Leitner übernommen wurden, um das Spiel durch den Sechserraum zu blockieren. Gentner hielt sich dann meistens tief und verstärkte die Kompaktheit, oder rückte gelegentlich heraus. Seine genaue Position war für die defensive Stabilität nicht entscheidend, da Romeu hinter ihm aggressiv nachschob und bei Flügelangriffen zur Stelle war. In diesen Fällen rückte Klein dann häufig in die Mitte ein und schloss das Zentrum.

Mit dieser Ausrichtung stand der VfB gegen den Ball sehr sicher und kompakt. Köln Reaktion darauf war allerdings auch unzureichend. So war es ein großes Problem, dass Maroh mit seinen Freiheiten nicht viel anzufangen wusste. Trotz großer Räume vor ihm rückte er nur zögerlich oder gar nicht auf, sodass der VfB ihn nicht anlaufen musste. Meistens spielte er dann kurze Pässe auf manngedeckte Kollegen, die den Ball prallen lassen mussten, ohne dass sich Dynamik entwickeln konnte. Häufig manövrierte sich Köln auch weit auf den Flügel, besonders dann, wenn sie in einer Dreierkette aufbauten. Dort wurden sie anschließend von der nachschiebenden Kompaktheit erdrückt und kamen nicht mehr ins Zentrum zurück; stattdessen kam es in der Folge zu einigen Ballverlusten im Spielaufbau. Auf diese spekulierte vor allem Harnik, aber auch mal Gentner, indem sie den Rückpass zuliefen, während der Ballführende durch die kompakte Formation und die Mannorientierungen unter Druck gesetzt und Optionen zugestellt wurden. Grundsätzlich hätte der VfB aus solchen Szenen noch mehr Profit schlagen können, blieb aber teilweise inkonsequent beim Herstellen des Zugriffs, sodass starke Defensivstaffelungen nicht immer mit Konterchancen belohnt wurden. Dementsprechend blieb es bei eher vereinzelten Umschaltsituationen für Stuttgart, die an diesem Abend zwar für eine leichte Überlegenheit sorgten, aber nicht ganz für ein Tor reichten.

Da Maroh den grün markierten Raum ohnehin nicht ausnutzt, braucht Gentner nicht herauszurücken, sondern kann sich stattdessen zurückziehen und Ujah aufnehmen. Romeu und Gentner schieben im weiteren Verlauf mannorientiert auf den Flügel nach und isolieren den FC dort. Aus Situationen wie diesen machte der VfB allerdings zu wenig. Nach dem anschließenden Longlineball von Lehmann läuft Sararer die Rückpassoption nicht zu und versäumt damit die Chance auf einen wertvollen Ballgewinn.

Der VfB mit (ein bisschen) Spielaufbau!


Ähnlich wie die Kölner pflegte auch der VfB einen erfreulich konstruktiven und unaufgeregten Aufbaurhythmus. Gegen das disziplinierte und bedacht aufrückende 4-4-2-Mittelfeldpressing des Gegners ließ der VfB den Ball viel in der ersten Linie zirkulieren und lockte die Gastgeber damit an. Die Ballsicherheit von Romeu, Leitner, Baumgartl und Schwaab sicherte den VfB vor tiefen Ballverlusten, während allzu prekäre Situationen mit langen Bällen vermieden wurden.

In höheren Zonen machte sich dann der Seitentausch zwischen Gentner und Leitner bezahlt. Auf dem bevorzugten rechten Flügel agierte Leitner sehr präsent und hatte als kreativer Verbindungsspieler viele gute Aktionen. Klein spielte leicht einrückend und balancierte damit die aufrückenden und ausweichenden Bewegungen um ihn herum. Dass diese Seite dennoch nicht sehr durchschlagskräftig wurde, lag vor allem daran, dass der Zehnerraum in erster Linie von unterstützenden Zuarbeitern wie Harnik oder Klein besetzt wurde und von hier nicht viel Kreativität ausging. Auch die Verbindung in die linke Halbzone war praktisch nicht existent, da Gentner entweder tief blieb, oder bis in den Sechzehner vorstieß, während Sararer zu breit spielte. Effektive Szenen entwickelten sich aus dem Ballbesitzspiel entsprechend selten, wenn dann oft über Leitner oder in letzter Instanz durch Sararers Impulsivität, mit der er das eine oder andere Mal auch schwache Staffelungen plötzlich effektiv werden lassen konnte.

Verlauf der Partie


Diese leicht verbesserten Offensivansätze begannen allerdings um die 30. Minute herum etwas zu verschwimmen, da Leitner ein wenig ausweichender, tiefer und damit unpräsenter wurde, was die Verbindungen und die kreative Präsenz im Offensivzentrum noch mehr schwächte. So verliefen sich auf beiden Seiten die Offensivansätze meist und das Spiel plätscherte in seinem ruhigen Rhythmus dahin. Bis Köln in der letzten Viertelstunde aufwachte.

Es waren mehrere Aspekte, die etwa ab der 70. Minute zu einer Intensivierung der Partie führten. Zum einen brachte Stöger mit Finne einen unangenehmen Spieler für die letzte Linie und verschob Halfar nach rechts. Dieser kam auf der (gezwungenermaßen) dominanten Kölner Seite wesentlich besser ins Spiel. Darüber hinaus hatte Stevens schon zuvor Werner für Sararer eingewechselt und Gentner gegen den Ball etwas höher geschoben. Dadurch entstanden einige zockende Elemente auf dem linken Flügel. Diese kleinen Faktoren sorgten im Gesamten dafür, dass sich der Rhythmus des Spiels aufschaukelte, allerdings ohne dass die Partie ihren Grundcharakter einbüßte. Die Mannschaft, die das für sich besser auszunutzen wusste, waren die Kölner. Sie kamen nun besser nach vorne, dribbelten mutiger an und drückten den VfB besser nach hinten. Zwar reichte es nicht für die ganz großen Möglichkeiten, aber immerhin verzeichnete Köln in der letzten Viertelstunde vier Torschüsse. In den 75 Minuten davor gelang ihnen gerade mal einer. Für den VfB ergaben sich indes zwar auch entsprechende Konterchancen, das meiste versandete aber irgendwo auf dem Flügel, weil das Nachrücken aus dem Mittelfeld nicht mehr konsequent genug war. Dementsprechend endete das Spiel schließlich mit einem passenden 0:0.

Zusammenfassung


Beide Mannschaften versuchten über weite Strecken angenehm konstruktiv Fußball zu spielen, offenbarten aber doch große Schwierigkeiten beim Bespielen der jeweils guten und konzentrierten Defensive des Gegners. Auf Seiten des VfB funktionierte Stevens' Pressing gut und zog dem Kölner Aufbauspiel mit der Manndeckung auf Wimmer den Zahn; was die offensiven Mechanismen betrifft, ist jedoch nach wie vor eine Menge Luft nach oben.

1 Kommentar:

  1. Danke! Hilft mir sehr dabei, Spiel und Aufstellung zu verstehen. Harnik löst seine Defensivaufgaben offensichtlich gut und bekommt deswegen wohl den Vorzug vor Vedad. Finde auch die verbesserte Ordnung, die wir seit einigen Spielen zeigen vielversprechend. Jetzt fehlen halt noch mehr Offensivmechanismen ...

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