Sonntag, 5. April 2015

27. Spieltag: VfL Wolfsburg - VfB Stuttgart 3:1

Das Duell gegen den Tabellenzweiten wurde zu einem Spiel der Flanken, Standards und Mannorientierungen. Weil Stevens dabei so ein bisschen Hecking kopierte und Heckings Mannschaft wiederum nur halbherzig mitspielte, aber trotzdem ihre Tore schoss, machte das ganze gleich doppelt wenig Spaß.

Passivität und Breite


Gegen die mit viel Breite und hoher Effektivität angreifenden Wolfsburger hatte sich Huub Stevens einige Gegenmaßnahmen zurechtgelegt. Er verzichtete auf das hohe Pressing der letzten Wochen und verordnete seiner Mannschaft wieder ein passiveres System mit vielen Mannorientierungen. Besonders war daran, dass ballnah nur sehr wenig nachgeschoben wurde und die Kompaktheit in der Horizontalen damit sehr gering ausgeprägt war. Damit war der VfB ziemlich resistent gegen Verlagerungen, die die Wölfe gern auf ihre breit stehenden Flügelspieler anbringen.

In dieser Situation kann man die Konsequenzen der Stuttgarter Herangehensweise sehen: Gute Absicherung gegen die Spielverlagerung, allerdings auf Kosten von Zugriff und Kompaktheit.

Dabei hatte der VfB ein paar Mechanismen, die das ganze stabilisieren sollten. Zunächst einmal ist die Defensivarbeit von Ginczek und Maxim zu nennen: Die Beiden standen recht tief und hielten den Kontakt zum Mittelfeld. Maxim übernahm darüber hinaus isolierende Aufgaben und schob dementsprechend häufig auf den ballnahen Sechser des Gegners und verfolgte diesen bei eventuellen Vorstößen. Manchmal war es sogar Ginczek, der so eine Mannorientierung einging und dann auf einmal am eigenen Sechzehner auftauchte. Dadurch wurde verhindert, dass die sehr vertikal auftretenden Gustavo und Guilavogui oder gar Naldo die Räume im Mittelfeld allzu einfach infiltrieren konnten.

Weiterhin wurden die Mannorientierungen nicht so rigide gespielt wie in den Partien bis Hannover. Es gab zum Beispiel keine situativen Fünfer- oder Sechserketten, sondern Wolfsburgs nachrückende Außenverteidiger wurden von Kostic und Harnik nach hinten an Klein und Hlousek übergeben, was wegen der tiefen Grundposition von Träsch und Rodriguez ganz gut klappte. Darüber hinaus genoss de Bruyne eine Art Sonderbewachung durch Die und wurde enger verfolgt als seine Mitspieler. Sein Ausweichen auf die Flügel wurde daher nicht wirklich effektiv und sorgte eher für Isolation.

Nachlässige Wölfe


Dass diese Strategie zunächst ganz vernünftig aufging lag auch an den Wolfsburgern, die kein wirklich gutes Spiel machten. Im Spielaufbau punkteten sie noch mit gut abgestimmten Bewegungen zwischen den Sechsern, die eine problemlose Ballzirkulation in der ersten Linie garantierten. Allerdings zeigten sie dann doch recht wenig Geduld beim Attackieren der Mannorientierungen des VfB und griffen schnell auf lange Bälle zurück.

Erst im Verlauf des Spiels besserte sich das, indem Gustavo und Guilavogui nun öfter vorstießen, manchmal sogar gleichzeitig, was dann von de Bruyne balanciert wurde. Dadurch gab es ansatzweise Kombinationen auf den Seiten, die aber durch die Mannorientierungen immerhin noch nach außen geleitet werden konnten. Aus so einer Situation entstand der Elfmeter zum 1:0.

Wolfsburgs Nachlässigkeit spiegelte sich gegen den Ball allerdings noch viel deutlich wider als mit dem Ball. In einigen Szenen arbeitete die Offensivabteilung kaum mit nach hinten und öffnete damit Räume für den VfB. Der wiederum nutzte die Freiheiten im Mittelfeld, die die wenig nachsetzende und breit stehende Offensive des VfL ließ kaum aus und bolzte den Ball hektisch weg. Die Anzahl gefährlicher Situationen wurde dadurch limitiert, es reichte aber für ein paar wenige Angriffe aus höheren Ballgewinnen oder zweiten Bällen heraus. Dabei kam dem VfB zugute, dass er sehr breit verteidigte und damit nicht extra auffächern musste. Der offensive Umschaltprozess wurde dadurch vereinfacht und beschleunigt. Der VfB suchte anschließend den linken Flügel und operierte mit Dribblings von Kostic, der mit Hlousek und Gentner geradlinige Unterstützung fand. So kam es hier wegen Wolfsburgs Trägheit im Umschalten zu ein paar Flankenmöglichkeiten, unter anderem beim 1:1. Man achte bei diesem Treffer übrigens auf Träsch, der überhaupt keine Anstalten macht mitzuverteidigen. Gegen die rechtsverteidigerlose Formation der Wölfe ist die Flanke dann einfach; Naldo muss rausrücken, Unterzahl am langen Pfosten, Tor.

Die Schattenseiten...


Aus den Umschaltsituationen konnte der VfB mit seiner breiten Offensive einiges an Gefahr versprühen, aber insgesamt war die Herangehensweise mit der limitierten linken Seite, den tiefen Außenverteidigern und der fehlenden Mittelfeldbesetzung in ihrer Effektivität sehr beschränkt. Da Gentner sehr in das Ballungsgebiet halbrechts tendierte, oder wenn dann gleich sehr weit auf den linken Flügel schob entstand ein Loch im linken Halbraum, das ein vernünftiges Mittelfeldspiel verhinderte. Stattdessen musste der VfB auch aus den seltenen Spielaufbau-Szenen heraus auf billiges Flankenspiel gehen.

Darüber hinaus waren das Nachrückverhalten und die Bewegungen im Konter einmal mehr phasenweise eine Katastrophe. Wenn der VfB also keine klaren Durchbruchsmöglichkeiten hatte und Wolfsburg einigermaßen vernünftig umschaltete, entstand praktisch keine Gefahr.

Im Verlauf der zweiten Halbzeit kippte das Spiel dann immer weiter zugunsten der Gastgeber. Beim VfB nahm die vertikale Kompaktheit nach und nach ab und ermöglichte dem VfL mehr Freiheiten in den Halbräumen und im Sechserraum. Gleichzeitig wechselte Hecking klug und schob Vierinha auf die Rechtsverteidigerposition, während Träsch die Sechs übernahm. Der Ex-Stuttgarter unterstützte von dort aus den anfälligen rechten Flügel und wurde als individueller Schwachpunkt aus Kostics direkter Umgebung entfernt. Außerdem konnte Vierinha mit seiner Kreativität und Diagonalität nochmal gruppentaktische Dynamik anstoßen.

Nach den weiteren Wolfsburger Treffern musste sich der VfB noch einmal am eigenen Ballbesitzspiel versuchen, scheiterte daran aber einigermaßen kläglich. Zwar hatte der eingewechselte Romeu noch ein paar gute Szenen am Ball und sorgte auch noch für die eine oder andere gute Balleroberung, aber das nun konstant schwache Aufrückverhalten und die immer noch vorsichtigen, flügelorientierten Staffelungen waren keine Herausforderung für die inzwischen disziplinierter formierten Wolfsburger.


Fazit


Der VfB geht das Spiel im Rahmen seiner limitierten Grundausrichtung nicht unklug an, das ganze funktioniert wegen der angezogenen Handbremse der Wölfe auch besser als es eigentlich sollte, aber reicht dann am Ende verdientermaßen trotzdem nicht. Die gewinnen nämlich wieder, unabhängig davon, wie sie eigentlich spielen, durch zwei Standards und einen langen Ball.

Ich konstatiere: Spiele gegen Wolfsburg sind einfach nur ätzend.

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