Dienstag, 14. April 2015

28. Spieltag: VfB Stuttgart - Werder Bremen 3:2

Der VfB liefert ein effektives und zumindest in der Defensive auch überzeugendes Spiel ab. Der Schlüssel zum Sieg war die gut an Bremens Schwächen angepasste Spielweise gegen den Ball.

Im Vergleich zur Vorwoche gab es beim VfB nur eine Änderung: Der wiedergenesene Rüdiger kehrte in die Startelf zurück und verdrängte Timo Baumgartl. Ansonsten blieb es beim mittlerweile etablierten 4-2-3-1 mit hohen und eher breiten Flügelstürmern, tiefen Außenverteidigern und Ginczek als Zielspieler vor Kreativmann Maxim.

Starkes Pressing


Besonders war allerdings, was Stevens sich für Bremens Raute überlegt hatte. Wenn Werder den Ball in der ersten Linie laufen ließ, versuchte der VfB in Person von Ginczek, das Spiel auf den rechten Innenverteidiger Lukimya und weg vom spielstarken Vestergaard zu lenken. Nach solchen isolierenden Läufen schob Ginczek die Rückpassoption zu, während Maxim zügig mit herüberrückte und Bargfrede in Manndeckung nahm. Die Sechser verschoben indes weit auf die Seite und rückten sehr griffig auf Bremens Mittelfeldspieler heraus, während Kostic wiederum eine simple Mannorientierung auf Gebre Selassie spielte und den Tschechen so einfach in den Deckungsschatten nehmen konnte.

Die Werderaner wurden vom Stuttgarter Pressing kalt erwischt. Da sie fast immer in einer Zweierkette aufbauten und selbst beim seltenen Zurückfallen von Fritz nicht konsequent auffächerten, war es für die Stuttgarter Pressingspitzen einfach, isolierte und vorhersehbare Situationen zu erzeugen. Aber selbst wenn Bremen einmal nach vorne kam, gab es kleinere Probleme, die es den Gästen schwer machten, gegen den gut aufgelegten VfB etwas herauszuspielen. Häufig waren die Staffelungen für die angedachten Zentrumsüberladungen ein bisschen unausgewogen von den Abständen her. Manchmal standen die Mittelfeldspieler sich zu sehr auf den Füßen, während in anderen Szenen Spieler wie Junuzovic oder auch Aycicek zu ausweichend spielten und keine druckvolle Präsenz in den richtigen Räumen entwickeln konnten.

Darüber hinaus war ihr gefährlicherer Außenverteidiger praktisch manngedeckt und kam so zu wenigen Szenen, während auf der anderen Seite Sternberg als Verlagerungsoption bewusst offen gelassen wurde. Ähnlich erging es, wie erwähnt, Vestergaard und Lukimya. Der sehr starke Sechser Philipp Bargfrede genoss außerdem eine Sonderbewachung durch Maxim und wurde so auch die meiste Zeit über aus dem Spiel genommen. Die Kombinationsspieler Bartels und Junuzovic, von denen das Spiel eher weggelenkt wurde, kamen indes kaum zum Zug, weil das Spiel meist schon abgewürgt wurde, bevor sie ins Spiel kommen konnten. Der VfB schaffte es so, das Spiel auf Werders Schwachpunkte zu lenken und die besonders wichtigen Spieler überhaupt nicht zur Entfaltung kommen zu lassen.

Man muss außerdem anmerken, dass das Pressing des VfB sehr harmonisch und eingespielt wirkte, sowohl in den vorderen Bewegungen um die gewohnt pressingstarken Ginczek und Maxim, als auch in den tieferen Bereichen. Es gab zum Beispiel eine Szene in der zweiten Halbzeit, wo Junuzovic in einer Umschaltszene vom Zehnerraum aus weit nach rechts auswich und Gentner mit nach Linksaußen zog. Hlousek reagierte darauf dann genau richtig, indem er nicht versuchte auf seine Position zurückzugehen, sondern die entstandene Lücke im Zentrum entscheidend zumachte.

Simpel aber effektiv


Das Resultat war letzten Endes, dass Werder zunächst genau in die angedachten Stuttgarter Pressingfallen tappte und gerade den nicht allzu ballsicheren Fritz in völlig isolierte Situationen im tiefen Halbraum brachte. Aus den resultierenden Ballgewinnen, bei denen sich Harniks höhere Positionierung bezahlt machte, ergaben sich eine Reihe von Kontermöglichkeiten, die der VfB allerdings nicht ideal zu Ende gespielt bekam.

Ansonsten musste sich der VfB wegen seiner einfachen Offensivstruktur auf Flügelangriffe über die bevorzugte linke Seite beschränken. Hlousek rückte hier sehr dynamisch nach und Kostic sollte dann hauptsächlich für Flanken sorgen. In den direkten Zweikämpfen waren ihm allerdings Gebre Selassie und Lukimya überlegen - so konnten sie diese Seite auch nach Verlagerungen, also wenn Fritz nicht mehr rechtzeitig zum Doppeln herüberkommen konnte, ganz gut in Schach halten. Lediglich einzelne Stellungsfehler des Bremer Rechtsverteidigers in Umschaltsituationen sorgten hier für ein bisschen Verwertbares.

Der Rest lief wie so oft über zweite Bälle, was beim VfB inzwischen ganz gut klappt. Auch diesmal hatte der VfB gute Abstände und war mit Ginczek und Harnik physisch überlegen. Gegen Bremens Abwehrkette plus Bargfrede stand man dann oft 4 gegen 5 oder sogar 4 gegen 4, sodass der Zielspieler den Ball ins Zentrum abtropfen lassen konnte. Von dort konnte dann Maxim einen kreativen Pass spielen. Daraus entstanden einzelne gute Szenen im Zusammenhang mit den tollen Läufen von Harnik.

Zweite Halbzeit


Nach der Pause sah es zunächst so aus, als würde Bremen besser ins Spiel kommen. Der VfB zog sich minimal zurück und gestaltete das Defensivverhalten alles in allem etwas normaler und ohne die vorherige Asymmetrie. Maxim und Ginczek pendelten jetzt eher in gleichförmiger Weise und unternahmen kaum mehr den Versuch, Werders Aufbauspiel gezielt zu leiten.

Aus diesem Grund und weil Werder anfangs Aycicek und Junuzovic tiefer im Spielaufbau einbezog, schienen die Gäste sich zumindest eine ordentlich Ballzirkulation und stabilere Aufrückmöglichkeiten aus dem Spiel heraus zu erarbeiten. Allerdings wurden diese Änderungen nicht wirklich beibehalten und es schienen immer wieder die Probleme aus der ersten Halbzeit durch. Nach der Einwechslung von Kroos waren dann auch die Halbpositionen sehr defensiv besetzt und Werder bekam teilweise Probleme mit der Offensivpräsenz, ohne aber im Gegenzug das Mittelfeld geduldig zu nutzen. Beim VfB wiederum rückte Gentner mit der Zeit deutlich weiter auf und verstärkte die linke Seite mit kraftvollen Vorstößen. Auch das war kein besonders komplexer Baustein in der Stuttgarter Offensive, aber er half dennoch ein wenig bei zweiten Bällen und Kontern.

Fazit


Die nachfolgenden Tore waren zwar nicht durchgehend zwangsläufig, aber verteilten sich vor allem aufgrund der guten Stuttgarter Defensivausrichtung am Ende doch einigermaßen gerecht auf die beiden Mannschaften. Damit verfügt der VfB inzwischen über eine sehr stabile, wenn auch offensiv sehr limitierte Grundlage, auf deren Basis es nun die nächsten Spiele erfolgreich zu bestreiten gilt.

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