Samstag, 25. April 2015

30. Spieltag: VfB Stuttgart - SC Freiburg 2:2

Durch einen unnötigen Platzverweis und eine womöglich von Verunsicherung geprägte zweite Halbzeit verspielt der VfB einen etwas glücklichen, wenn auch nicht unverdienten 2:0-Vorsprung.

Kontrolle in Halbzeit eins


Beim VfB fehlte der defensivstarke Antreiber Serey Die wegen einer Gelbsperre, dafür kam La Masia-Sechser Romeu ins Team. Stevens passte die Ausrichtung des Aufbauspiels an diesen personellen Wechsel allerdings nicht wirklich konsequent an. Die Innenverteidiger standen in Ballbesitz relativ eng aneinander mit Romeu davor, der den Sechserraum hielt, sowie hohen Außenverteidigern und Gentner in einer vorgeschobenen Position.

In dieser Grundstruktur hatte der VfB allerdings keine wirkliche Breite in der ersten Linie. Das bot Freiburg die Möglichkeit, sich an Balleroberungen zu versuchen. Die Breisgauer standen dazu in einem vertikal kompakten 4-4-2-Pressing mit zunächst eher tiefen Pressingspitzen, aus dem heraus sie entweder auf die Stuttgarter Aufbauspieler herausrücken oder Pressingfallen im Sechserraum aufbauten. Romeu war das allerdings egal. Er löste sich auch aus schwierigen Situationen zuverlässig und sorgte zusammen mit dem kurzfristig für den kranken Rüdiger in die Elf gekommenen Baumgartl für einen soliden ersten Ball ohne tiefe Ballverluste.

Anschließend sollte das besonders auf den Flügeln sehr rigide mannorientierte SC-Pressing bespielt werden. Dazu operierte der VfB mit den bekannten, einfachen Mechanismen auf den Flügeln - insbesondere Wechselbewegungen zwischen dem Flügelspieler und dem Außenverteidiger sowie ausweichende Läufe hinter einen seitlichen Zielspieler. Auch wenn das zu vereinzelten gefährlichen Szenen führte, entstanden die Tore auf andere Weise: Beim 1:0 war entscheidend, dass Maxim Sorg aus dem Zentrum zog und Gentner in guter Position so halbrechts frei wurde, während dem 2:0 einfach eine Einzelaktion von Kostic zugrunde lag.

Die Zwei-Tore-Führung war zu diesem Zeitpunkt etwas glücklich, aber der VfB zog doch einen klaren Vorteil daraus, dass er in den schnellen Situationen auf lange Bälle zurückgriff. Freiburg dagegen positionierte sich zwar ganz hervorragend auf den ihrerseits oft genutzten langen Ball, unter anderem mit sehr hohen Sechsern, aber nutzte diese häufig dann, wenn der VfB geordnet stand. Dadurch konnten die Offensivkräfte meistens noch rechtzeitig zurückkommen, zumal die Eröffnungen unter dem Druck der gut pressenden Doppelspitze Ginczek und Maxim eher ungenau gespielt waren. Davon ganz abgesehen ist Gegenpressing auch keine besonders aussichtsreiche Vorgehensweise, wenn beim Gegner Oriol Romeu auf dem Platz steht. Das "Kesselpressing" des VfB reichte dadurch, auch dank einem flexibler einrückenden Kostic und starkem Herausrücken der Sechser, zusammen mit dem stabilen Ballbesitzspiel für eine dominante erste Halbzeit.

Zweite Halbzeit


Wenn man die Statistiken der beiden Hälften vergleicht - 56% vs. 34% Ballbesitz für den VfB, sowie 9 vs. 2 Schüsse (2 vs. 11 für Freiburg) - zeugen von einer merkliche Wende im zweiten Durchgang. Zunächst brachte Christian Streich unter anderem Darida für die Doppelsechs als Partner von Schuster, wodurch die Rollenverteilung im zentralen Mittelfeld offenbar etwas klarer wurde, was sich dann tatsächlich aber gar nicht so darstellte. Eher war es so, dass nach wie vor beide Sechser mit aufrückten - und das eher mäßig abgestimmt. In der Anfangsphase der ersten Halbzeit öffneten sich aus diesem Grund große Konterräume im Stuttgarter Offensivzentrum, was eine Reihe von Umschaltchancen bedeutete. Hier hätte das womöglich entscheidende 3:0 fallen können.

Stattdessen wurde der VfB immer zurückhaltender und Freiburg konzentrierte sich immer mehr darauf, die eigene Ballzirkulation geduldiger aufzuziehen. Dadurch kam der SC langsam besser ins Spiel und kam schließlich zum Elfmeter, zu dessen Vorgeschichte auch gehört, dass der VfB in Person von Baumgartl und Maxim jeweils nicht herausrückte und sich zu einfach zurückdrängen ließ.

Nach der Gelb-Roten Karte für Hlousek gab es erstmal eine Torchance für Schmid, weil sich Kostic und Maxim nicht einig waren, wer provisorisch den Ersatz geben sollte. Danach stellte der VfB mit Schwaab als Linksverteidiger auf ein ultradefensives 4-4-1 mit tiefen Flügelspielern um, sodass sich das Ganze oft in ein 6-2-1 umformte. Um es kurz zu machen: Gut war daran, dass Ginczek sich sehr nahe am Mittelfeld bewegte und zusammen mit den Sechsern Freiburg aus dem Offensivzentrum heraushalten konnte. Schlecht war, dass es durch Ginczeks Rolle und die tiefen Flügel praktisch keine Entlastungsmöglichkeiten gab. Kann man jetzt diskutieren, ob eine offensivere Herangehensweise möglich und sinnvoller gewesen wäre, ich bin mir da unsicher. Am Ende setzte es jedenfalls noch den Ausgleich durch eine kurz ausgeführte Ecke, bei der der VfB wieder zu zögerlich herausrückte.

Fazit


Der VfB dominierte die erste Hälfte, und zwar - ich denke, das kann man so sagen - vor allem dank Romeu, der das Aufbauspiel praktisch im Alleingang schulterte und das Stuttgarter Spiel auf ein ganz festes Fundament stellte. Nach der Pause hätte der VfB eigentlich Streichs riskante Umstellung auskontern müssen, verpasste das, und brachte sich mit dem unnötigen Platzverweis dann selbst in Verlegenheit - und da der VfB zu den Mannschaften gehört, die zu zehnt ganz besonders schlecht sind, verspielte er die Führung fast schon folgerichtig.

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