Sonntag, 18. Oktober 2015

Kurzanalyse: VfB Stuttgart - FC Ingolstadt 04 1:0

Viel Hin und Her mit langen Bällen und Kontern bei erneut suboptimaler Anpassung an die veränderte Besetzung. Trotz Überlegenheit gegen Ingolstadts eigentlich gutes Spiel auf den zweiten Ball, gestaltet der VfB die Partie nicht so durchschlagskräftig, wie er es eigentlich hätte tun können.

VfB findet (nur) zum Flügel


Die Schanzer zeichneten sich in der bisherigen Saison vor allem durch ihr intensives, vertikales Spiel aus, das sie auch gegen den VfB zeigen wollten. Dazu schoben sie im Spielaufbau und bei Abstößen geschlossen auf eine Seite und ballten sich um den Zielspieler für den langen Ball, der meistens - beeindruckend kräftig und weit in die gegnerische Hälfte hinein - von Keeper Özcan geschlagen wurden. Mit dem hohen Stuttgarter Pressing legten sie sich kaum einmal an.

Allerdings konnten sie gegen die im Duell und vor allem in der anschließenden Ballsicherung überlegenen Stuttgarter nur vereinzelt Erfolge erzielen. Der VfB konnte aus kleineren Lücken zwischen Ingolstadts Mittelfeld und ihrem hohen Dreiersturm meistens über ein paar kurze Pässe in die durch Ingolstadts Kompaktheit wiederum verwaisten Flügelbereiche verlagern und dort den weit ausweichenden, in seinen Dribblings allerdings oft glücklosen Werner einsetzen. Auch zwischen Bregerie und den hohen Achtern gab es kleinere Unkompaktheiten, die der VfB ab und zu dynamisch attackierte, was zu den wohl besten Szenen der Stuttgarter führte.

Einmal aufgerückt entwickelten die Gastgeber das Spiel in aller Regel jedoch zu eindimensional weiter. Es gab wenig belastbare Verbindungen in den Zehnerraum, beispielsweise weil Didavis Herüberrücken mit viel Zug zum Flügel geschah, während Maxim vom Flügel kommend wenig einrücken konnte und den Halbraum stattdessen meist Insua oder Rupp überlassen musste, die eher wieder Richtung Seite tendierten. Dann folgte meistens die Flanke... und, naja, Ginczek und Kostic sind halt verletzt.

Vor allem Maxim konnte in diesem Umfeld seine strukturschaffenden Bewegungen kaum einbringen und durfte sein Talent nur in ein paar wenigen vom Flügel aus gestaltenden oder antreibenden Szenen zeigen. Die Außenverteidiger waren fast präsenter im Zehnerraum als der tatsächliche Linksaußen-Zehner, was man jetzt nicht unbedingt spitze finden muss.

Ausgeglichenes Intensitätsduell


Der VfB blieb so die meiste Zeit des Spiels über weit unter seinen offensiven Möglichkeiten und legte in dieser Hinsicht sein vielleicht schwächstes Saisonspiel hin. Daneben gab es kaum kontrollierte Aufbauszenen, da Ingolstadt hier gut zustellte und aus dem 4-3-3 mit diversen Mannorientierungen immer wieder flexible Formationen herstellte, die der VfB nicht wirklich herauszufordern versuchte. Auch durch Ballgewinne entstand diesmal nicht viel, da das Gegenpressing nach Ballverlust etwas verzögert einsetzte und dem Gegner im ersten Moment Raum gewährte. Danach schob der VfB die Ingolstädter Ansätze zwar gut zu und blieb stabil, kam aber auch selten zu richtig guten Balleroberungen.

Generell arbeiteten beide Teams viel mit Abseitsfalle. Gerade Ingolstadt nutzte dieses Mittel recht aggressiv und es gelang ihnen ein paar Mal gut, wenn auch teilweise knapp, den durchstartenden Werner ins Abseits zu stellen. Auf der Gegenseite rückte die Stuttgarter Viererkette wieder sehr aggressiv heraus, wobei vor allem Baumgartl und Insua überzeugen und zur Überlegenheit bei langen Bällen beitragen konnten. Die potentielle Anfälligkeit, die hier und da durchblitzte wurde wie auf der Gegenseite selten zum Problem.

Gegen Ende der Partie, nach dem regelwidrigen Führungstreffer durch Didavi, zog sich der VfB ein wenig zurück und offenbarte gegen die nun häufiger aufbauenden Gäste kleinere Kompaktheitsprobleme, die allerdings durch gute einengende Läufe von Didavi und vor allem Harnik geflickt wurden. So ging Ingolstadt nach einigen netten Kombinationsansätzen, die sie allerdings nicht so richtig durchbrachten zu simplem Schlussphasengebolze über, das der VfB trotz Unterzahl überstand.

Fazit


Das Spiel sah der Partie der Vo(o)rwoche zum Verwechseln ähnlich - wenngleich nicht aufs Wort, äh, den Spielcharakter genau. Der VfB konnte sich erneut nicht so richtig an das veränderte Personal anpassen und blieb zu sehr in den alten Abläufen hängen, womit viel potentielle Offensivkraft verloren ging. Vermutlich wird es die Rückkehr von Gentner und Kostic brauchen, um zur alten Chancengewalt zurückzufinden. Was etwas schade ist.

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