Sonntag, 31. Januar 2016

Kurzanalyse: VfB Stuttgart - Hamburger SV 2:1

Die besseren Individualisten, eine passende Asymmetrie und geschärfte Mechanismen machen den VfB zum überlegenen Team in einer hektischen und später unkontrollierten Partie.

Anpassungen und Hamburgs Reaktion


Im Vergleich zum Spiel gegen Köln änderte sich beim VfB personell nichts, lediglich einige taktische Details wurden angepasst. Im Pressing setzte Jürgen Kramny offenkundig auf die 4-1-4-1-Formation, die gegen Köln zur zweiten Halbzeit erstmals zum Zuge kam. Es gab jedoch immer wieder Tendenzen in Richtung des alten 4-4-2 mit Didavi als klarer zweiter Spitze. Die üblichen Mannorientierungen wurden etwas asymmetrisch gespielt: Rupp übernahm manchmal den einrückenden Ilicevic und übergab Ostrzolek an Großkreutz. In vielen Fällen blieben jedoch sowohl er als auch Kostic jedoch bei den Hamburger Außenverteidigern. Die Achter nahmen eine vorgeschobene Grundposition ein, verfolgten die Bewegungen ihrer Gegenspieler jedoch nicht allzu weit.

Es ergab sich das übliche Muster: Der VfB verteidigte passiv und breit, schloss dadurch konsequent die Flügel und bot dem Gegner die Halbräume neben Die an. Dem HSV fehlten über weite Teile des Spiels die Mittel, um auf diese Herausforderung zu reagieren. Im Aufbau fokussierten sie sich stark auf den tief agierenden Holtby und schufen damit einen kleinen Linksfokus, der jedoch von der etwas flexibleren Pressinginterpretation um Rupp herum gut aufgefangen werden konnte. Im Gegenzug blieb Kostic gegen den zunächst tiefen Diekmeier höher und lief erst dann zurück, wenn dieser ballfern nachstieß. Hinter dem sehr hoch agierenden Müller, der nicht immer rechtzeitig zum Doppeln zurückkam, fand Kostic vielfach Raum für seine Flankenläufe vor.

Mit dem einrückenden Ilicevic, der jedoch wie erwähnt flexibel verfolgt werden konnte und nur bei gelegentlichen, sehr weiten Läufen zur Geltung kam, und Aaron Hunt hatte der HSV grundsätzlich durchaus Präsenz in den heißen Zonen. Insgesamt war ihr ganzes Spiel jedoch zu hektisch, raumverschwendend und unstrategisch. Durch die manchmal zu gleichgültigen Umformbewegungen bei Rückpässen, bei denen die Offensive zu hoch blieb wurde dieses Problem noch katalysiert. Hunt positionierte sich zudem nicht präzise genug in den Freiräumen, während halbrechts in den von Müllern geöffneten Räumen oftmals die Präsenz verloren ging. Nicht zuletzt leisteten die Hamburger sich mit Gojko Kacar einen an diesem Abend doch gravierenderen individuellen Schwachpunkt, der dem Ballbesitzspiel weiter schadete.

Zweite Bälle und Konter


Ein weiteres Problem der Hanseaten war, dass sie bei eigenen langen Bällen kaum Abpraller gewinnen konnten. Meistens zielten sie dabei auf Lasogga, dem Niedermeier im Luftduell jedoch ebenbürtig war und der meistens eine saubere Ablage verhindern konnte. Beim VfB positionierten sich Die und der tief zurückfallende Rupp um die Zweikampfzone, sammelten dort die Bälle auf, behaupteten sie mit ihrer Pressingresistenz und leiteten Konter ein, für die die restlichen Mittelfeld- und Angriffsspieler schon bereitstanden. Die hoch und eng gestaffelte Viereroffensive des HSV konnte vielfach nicht mehr rechtzeitig zurückeilen und musste gegen die kraftvolle Stuttgarter Konterwelle Abschlüsse zulassen.

Der VfB selbst schien zudem in der Mittelfeldbewegung einen Tick ausgewogener aufgestellt zu sein, das kann jedoch auch daran liegen, dass es wegen der aggressiven Grundstimmung der Partie wenig organisierte Bewegungen (die man hätte falsch umsetzen können) gab. Insgesamt kam dem VfB, der ohnehin am liebsten ohne viel Ballzirkulation aufbaut, dieser Spielcharakter sehr zu Gute. Positiv sind dennoch die gelegentlichen Rochaden der Achter auf den linken Flügel und das sehr gut abgestimmte Nachstoßen von Rupp und Großkreutz zu erwähnen.

Insgesamt wirkte das Zusammenspiel der Offensive halbrechts gut eingespielt, was auch die eine oder andere anspruchsvollere Kombination erlaubte. Kamen diese nicht durch, folgte einfach der Pass auf Kostic, der mit seinen Flanken auch statische Situationen scharf machen konnte. Die Strafraumbesetzung war dann mit vier oder fünf Mann massiv und dynamisch. Durch die abwartende Haltung gegen Hamburgs doch ambitioniertes, aber insgesamt fehlerhaftes Ballbesitzspiel, konnte der VfB seine Stärken im Konter häufig einbringen und baute so eine deutliche Überlegenheit auf.

Nach der Pause versuchte Hamburg sich mit engeren Außenspielern und zurückfallenden Bewegungen von Lasogga von den Flügeln zu lösen und mehr Präsenz im Zentrum aufzubauen. Die grundlegenden strategischen Probleme waren jedoch immer noch vorhanden, sodass diese Maßnahme nicht allzu gut griff. Den überraschenden 1:1-Ausgleichstreffer schossen die Hamburger dann in einer kurzen Phase, in der sie plötzlich Durchschlagskraft durch einfache Pässe auf die Flügel und direkte Flanken in den Strafraum erzeugten, was mit der Einwechslung des ausweichenden Rudnevs noch mehr fokussiert wurde. Dieses Tor leitete eine chaotische und völlig offene Schlussphase ein, in der auf einmal alles möglich war. Mit etwas Glück erzielte der VfB dann das insgesamt klar verdiente, aber zu diesem Zeitpunkt keinesfalls mehr zwingende Siegtor.

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