Sonntag, 13. März 2016

Kurzanalyse: FC Ingolstadt 04 - VfB Stuttgart 3:3

In einer intensiven, von Umschaltsituationen geprägten Partie scheint Ingolstadt die Oberhand zu behalten, bis der VfB mit mehr Präsenz das Spiel noch in ein Unentschieden umbiegen kann.

Pressing und Umschalten


Das Pressing der beiden Mannschaften gestaltete sich von der Höhe her recht unterschiedlich: Die ohnehin gerne mit langen Bällen aufbauenden Ingolstädter wurden vom VfB erst einmal in Ruhe gelassen. Der VfB formierte sich zu Beginn in einem 4-1-4-1, wobei Werner gelegentlich ein bisschen Druck machte und versuchte den Gegner auf den Flügel zu leiten. Dahinter spielten die Achter ungewöhnlich hoch und die Flügelspieler eher tief. Später wandelte sich diese Formation in ein 4-4-1-1 mit tieferem Gentner.

Dagegen versuchten die Gastgeber früh anzulaufen und das Aufbauspiel des VfB im Keim zu ersticken. Teilweise agierten sie dabei jedoch etwas unzusammenhängend, sodass sich vor allem Schwaab einige Male stark gegen das Anlaufen von Leckie oder Lezcano herauswinden und Freiräume bespielen konnte. Allerdings fehlte die anschließende Präsenz in den tiefen Halbräumen, um nach solchen Szenen sicher vorwärts zu kommen. Rupp fiel zu inkonsequent in diese Räume zurück und orientierte sich eher nach vorn, was zusammen mit dem Aufrücken von Gentner und dem recht weiten Ausweichen der übrigen Mitspieler häufig zu flachen, unverbundenen Offensivstaffelungen führte.

Grundsätzlich lag der Fokus des VfB mehr auf der linken Seite, wo Didavi und Kostic sich individuell betätigen sollten. In der Anfangsphase klappte das auch recht gut – das 1:1 fiel etwa durch eine Situation, in der sich der VfB nach einem Ballgewinn gegen die weit herübergeschobenen Ingolstädter (vor allem Christiansen rückte öfter einen Tick zu weit auf die Seite) auf die eigene linke Seite lösen konnten. Ein Patzer von da Costa im Herausrücken und eine missglückte Abseitsfalle sorgten anschließend dafür, dass Kostic nach dem Pass von Insua frei durch war und gegen Özcan verwandeln konnte.

Der FCI bekam diese Gefahrenherde besser in den Griff, indem sie sich in ihren eigenen Bemühungen mit einem nun weit einrückenden Leckie mehr auf die rechte Seite fokussierten. Dadurch waren Verlagerungsfreiräume für Kostic und Didavi ausgeschlossen. Gleichzeitig konnten sie mit ihrem intensiven, wenn auch strukturell in den Details nicht perfekt vorbereiteten Gegenpressing viele Ansätze auffangen. Sie profitierten dabei nicht zuletzt davon, dass Daniel Didavi sich etwas träge im Umschalten zeigte, zumal der VfB-Zehner von Roger klug verteidigt wurde (ohne Mannorientierung übrigens).

Weitere Tore und offensive Mittel


Gegenkonter, nachdem der VfB im Gegenpressing auf der rechten Ingolstädter Seite hängen blieb, entwickelten sich so zu einer bedeutsamen Gefahrenquelle auf Seiten der Hausherren, während der VfB nicht an die gute Anfangsphase anknüpfen konnte. Ein weiteres Mittel waren individuelle Szenen des Rekord-Neuzugangs Dario Lezcano, der immer wieder weit auf die Flügel ging und sich auch in Unterzahlkontern gut behauptete und diese am Leben hielt. Zuletzt konterten sie, nicht als erster VfB-Gegner, einige Male gefährlich nach Stuttgarter Standards.

Der VfB wiederum musste sich wegen seines schwach strukturierten Aufbauspiels und der Verbindungslosigkeit in der Offensive immer wieder auf Flanken von Kostic und Standards verlassen, was naturgemäß nicht die effizienteste Methode zum Toreschießen ist. Didavi kam derweil gegen die emsig zurückarbeitenden Achter kaum ins Spiel. Nach dem Zwei-Tore-Rückstand stellte Kramny dann auf eine breite Raute bzw. ein 4-1-3-2 um, indem er Die rausnahm und Kravets als zweite Spitze reinbrachte. Mit mehr Präsenz, aber auch weniger Absicherung ergaben sich noch einmal Chancen auf beiden Seiten, aber die Tore machte tatsächlich der VfB.

Am Ende fielen vier der sechs Tore nach Standards (davon ein Elfmeter) und eins nach einem tiefen Ballverlust von Gentner - zugegeben, solche Spiele lassen einen manchmal auch irgendwie schulterzuckend zurück.

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