Sonntag, 4. Dezember 2016

Kurz betrachtet: Maxim und der Pragmatismus

Nicht einmal in der zweiten Liga spielt Alexandru Maxim die prägende Rolle, die er angesichts seiner Qualitäten eigentlich einnehmen sollte. Das hat auch damit zu tun, dass er im momentanen System des VfB nicht gut aufgehoben ist. Eine kurze Ausführung der Problematik.

Der Balancespieler im Vakuum


Ich habe schon einmal eine kurze und nicht vollständige Spieleranalyse von Maxim gemacht; demnach sind seine Kernqualitäten das Herstellen von Struktur und Verbindung und ein kreatives wie hochwertiges Passspiel, das vor allem in der Dynamik, in Kombinationen funktioniert. Momentan kann er aber weder kombinieren, noch besonders ausgiebig balancieren. Zwar ist das Stuttgarter System ständig im Wandel, aber seit einigen Wochen schon gibt es einen konstanten Nenner, der diese Qualitäten Maxims nicht so recht herausheben mag.

Den VfB unter Hannes Wolf ist inzwischen geprägt von einer mitunter ziemlich krassen Zweiteilung der Mannschaft. Offensiv kommt das dadurch zustande, dass die Außenverteidiger und der Sechser im 4-1-4-1 sehr tief positioniert sind. Gentner, der nach einem vielversprechenden Start als hängende Spitze mittlerweile wieder als Achter eingesetzt wird und sein Nebenmann rücken frühzeitig weit auf; die Flügelspieler müssen Breite geben.

Das sorgt dafür, dass einerseits die Abstände innerhalb der Offensive sehr groß werden und andererseits ein Loch zwischen den Mannschaftsteilen aufgeht. Spielt Maxim als zweiter Achter, versucht er dieses Lücke zu füllen, aber weil eben sonst keiner in direkter Reichweite ist, wird er vom Gegner sofort isoliert. In isolierten, statischen Situationen bekommt Maxim schnell Probleme. Er legt sich den Ball nicht optimal hin und lässt den Gegner vergleichsweise leicht rankommen, auch physisch kann er sich nicht so gut behaupten.

Maxims Problem in a nutshell. Er hat keine Anspielstation für einen Direktpass: Gentner steht schon zu hoch, Asano breit, Mané bindet sich nicht ein. Es herrscht keinerlei vorausschauendes gruppentaktisches Bemühen, niemand läuft den rechten Flügel runter oder lässt sich in den linken Halbraum fallen. Die Szene verkommt zu einer Aneinanderreihung möglichst risikofreier, statischer Einzelaktionen. Wenn man von den letzten drei Begriffen jeweils das Gegenteil nimmt, erhält man eine ganz gute Charakterisierung von Maxims Spielverständnis.

Gerade die Ballbehauptung ist aber die große Stärke seines Konkurrenten Berkay Özcan. Er kann sich Gegenspieler sehr gut vom Leib halten und so Angriffe auch in Drucksituationen mit einfachen Pässen zuverlässig am Leben erhalten. Dadurch verhindert man Ballverluste im Zentrum und wird resistenter gegen Konter. Das ist vor allem deswegen essenziell, weil der VfB durch seine Zweiteilung große Konterräume auflässt und Ballverluste nicht einfach gegengepresst werden können.

Defensivprobleme?


Als sportliche Ursache wurde oft diskutiert, ob Maxim genug zurückarbeitet. Zu Dingen, die man ihm dabei vorhalten kann, gehört, dass er nicht herausragend darin ist, direkt Druck zu machen und intensive Pressingläufe anzubringen, wenngleich er die durchaus liefern kann, wenn es gefordert ist. Man erinnere sich nur an das Pressing-5:4 gegen Frankfurt unter Veh. Gerade am Anfang der Saison unter Luhukay hatte er außerdem ein paar Zugriffsprobleme im Gegenpressing, und der ausdauerndste Spieler ist er bekanntermaßen auch nicht.



Insgesamt sind das alles aber eher Kleinigkeiten, die einer klugen, sehr verantwortungsbewussten Positionierung und meist auch guter Intensität gegenüberstehen. Bisher wurden diese Qualitäten aber noch nicht wirklich eingesetzt, das Pressing war meist eher simpel, physisch-mannorientiert und dabei wenig harmonisch. Erst in den letzten Wochen kamen interessante Konzepte dazu, mit leitenden Effekten und vielfältiger Pressinghöhe. Setzt sich das ein bisschen fort, wird auch Maxim seine Pressingintelligenz wieder besser einbringen können.

Ähnlich könnte es mit den spielerischen Aspekten laufen. Wolf begann eigentlich mit sehr aktivem, homogenem Ballbesitzfußball, wurde dann aber nach der 0:5-Niederlage gegen Dresden immer pragmatischer. Zur Rückrunde, also mit Wolfs erster langen Vorbereitung im Rücken, wird man sicherlich nicht versuchen, noch mehr über die Flügel und Einzelaktionen rauszuholen, sondern eher einen Schritt in die andere Richtung machen. Das würde auch Maxim immens zugute kommen.

„... um dahin zu kommen, dass er das ganze Spiel trägt.“


Zum Abschluss stelle ich einfach noch ein Zitat in den Raum. Vor einigen Wochen hat sich Hannes Wolf nämlich eine spannende Aussage über Maxim entlocken lassen, mit der er noch ein anderes Fass aufmacht. Das Zitat ist nicht ganz eindeutig, aber es scheint eine Mischung aus physischen Aspekten und einer leicht aktionistischen, impulsiven Note zu adressieren, die Maxim als mittlerweile individuell hervorstechender Spieler im Team womöglich angenommen hat.

Ich find' erst mal, dass Alex 'n top Junge ist. Er ist sehr intelligent, verhält sich gut in der Gruppe. Und damit bin ich zufrieden, er arbeitet auch intensiv. Es ist grundsätzlich so, dass er sich doch 'n bisschen sehr über einzelne Aktionen definiert und wir wollen einfach mit ihm arbeiten, um dahin zu kommen dass er das ganze Spiel trägt und alle Phasen des Spiels. Und das ist so das Thema, und trotzdem diese Qualität in den Aktionen - wie auch beim 3:1, war ein sehr wichtiges Tor für uns, das er für uns geschossen hat. Dass er diese Qualität in den Aktionen behält, aber dass er für sich so die Voraussetzung schafft, über die Zeit stabil alles was Fußball bietet einfach auch voll durchzugehen und da sind wir im Moment dran. [...] Und wir hoffen einfach, dass er [...] diesen Weg mitgeht, dass er sich in Topform bringt. […] 
- Hannes Wolf, PK vor Bielefeld am 4. November 2016

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