Samstag, 10. Dezember 2016

"Vorschau": VfB Stuttgart - Hannover 96

Nachdem sich auch beim dritten von drei Versuchen die meisten Vorüberlegungen auf diesem Blog zu einem VfB-Spiel schon mit dem Anpfiff erledigt haben (Nach innen leitendes 5-2-3-Pressing, wer soll denn sowas ahnen?!), soll der Ansatz diesmal ein anderer sein: Statt die Stärken und Schwächen beider Teams gegenüberzustellen und den wahrscheinlichen Spielverlauf vorherzusagen, haben wir uns überlegt: Was wäre das Verrückteste, was Hannes Wolf und Daniel Stendel am Montag auspacken könnten? Dieses Mal sind wir den Trainern einen Schritt voraus!

Zum Gegenstück auf Niemals Allein geht's hier entlang.

Wie man Hannovers Angriffspressing aushebeln könnte


Hannover zeichnet sich seit der Amtsübernahme von Daniel Stendel vor allem durch aggressives Spiel auf zweite Bälle sowie viel Tempo und Intensität in einem hohen Pressing aus. Dazu rückt einer der Sechser nach vorne und übernimmt den tiefsten Mittelfeldmann des Gegners. Die Flügelspieler bleiben etwas tiefer und stellen so eine rautenähnliche Formation her.

Dieses Pressing wird von den meisten Teams mit langen Bällen umschifft, der VfB könnte sich aber auch relativ stabil spielerisch behaupten, indem er seine ganze Aufbaustärke zusammenlegt und das Ganze passend organisiert. Dann könnte man vor allem die Räume zwischen dem aufgerückten Sechser und dem Flügelspieler, aber auch die Räume neben dem tiefen Sechser anvisieren. Der Raute wird ein Quadrat entgegengesetzt, wobei die Ecken genau in den Zwischenräumen liegen:


Die drei spielstarken Innenverteidiger bilden eine Dreierkette hinter der Doppelsechs aus Grgic und Hosogai (oder Langerak reiht sich ein und Baumgartl rückt eins vor). Hosogai würde etwas dominanter auftreten, mehr Bälle fordern und gegen den Ball weiträumiger agieren. Grgic hätte als Füllspieler um ihn herum die Aufgabe, offene Räume zu besetzen und abzusichern. Beide sind auch gegen den Ball stark, das ist wichtig, um die offensiv ausgerichtete Vierereihe davor abzusichern. Mané spielt hier als rechter Flügelverteidiger und soll mit Ball ins Zentrum ziehen können. Asano und Gentner geben Tiefe, Tashchy öffnet zurückfallend Räume und bedient die Aufrückbewegungen um sich herum mit seinen tollen Weiterleitungen. Alternativ kann man ihn auch mal lang anspielen, wenn es sein muss.

Im Spielaufbau würde der VfB Hannovers Pressingformation mit einem 3-2 in der ersten Linie begegnen. Der herausrückende Sechser (mal Schmiedebach, mal Bakalorz) muss sich zwischen zwei Sechsern und dem zentralen Innenverteidiger entscheiden. Rückt der er auf den Innenverteidiger durch, können Grgic oder Hosogai angespielt werden und Hannover müsste erstmal eine passende Folgeaktionen finden. Ein gutes Mittel wäre auch, die Flügelspieler von 96 herauszulocken. Klaus und Sarenren Bazee sind keine besonders guten Pressingspieler und neigen ein bisschen zu übertriebener Direktheit. Durch die Unterzahl des "Pressingzehners" gegen die VfB-Sechser könnte man einen von beiden herausziehen und dann über Langerak oder Baumgartl lang auf den Flügelverteidiger verlagern. Gerade wenn man damit Mané ins Spiel bringt und die Läufe von Gentner & Co. auslöst, kann man im Anschluss eine Menge Action veranstalten.

Den Flügelspieler locken.

Durch die Positionierung der eigenen Aufbauspieler in den Zwischenräumen von Hannovers 4-1-3-2-ähnlichen Formation ergeben sich nicht so leicht aufzulösende Zuordnungsprobleme. Wenn das noch nicht reicht, kann zusätzlich noch Baumgartl nach vorne schieben und gemeinsam mit Maxim und den Sechsern eine Raute bilden, um Schmiedebach noch stärker zu binden. Baumgartl zeigte in den letzten Spielen ohnehin sowohl mit als auch ohne Ball vermehrt aufrückende Bewegungen ins Mittelfeld. Man könnte das Ganze sogar noch ausbauen und Kreiselbewegungen in dieser Raute ausführen. um ein mannorientiertes Mitgehen der Hannoveraner zu provozieren und anschließend den aufgegangenen Raum anzusteuern.

Zugegeben sehr hypothetisch, aber umso cooler. Kreiselbewegungen zum Durchwirbeln der Zuordnungen im Angriffspressing.

Mit der Präsenz und Dynamik vorne können offene Räume dann extrem schnell durchgespielt werden. Wichtig ist daher die Tempoaufnahme aus dem geduldigen Spielaufbau heraus, wenn der vertikale Ball gespielt wurde. Maxim und Tashchy sind hervorragende Direktpassspieler und vor allem Maxim und Mané können die kreativen Bälle in die Schnittstellen verteilen. Davor hat man mit Gentner und Asano, die beide ein hohes Pensum abliefern müssen, aber auch können, zwei sehr unangenehme Tiefengeber. Insbesondere Gentners Läufe hinter die im Pressing herausrückenden Außenverteidiger sind nervig zu verteidigen.

Hipster-VfB im 3-2-4-1/3-2-3-2 gegen Standard-
96
Maxim übernimmt als Zehner dazu eine ganze Reihe von Aufgaben gleichzeitig: Einerseits kann er, etwa durch ausweichende Läufe, mit den Offensivspielern interagieren, andererseits soll er auch Konterräume dichtmachen, die durch das Aufrücken der Kollegen aufgehen. Wenn es nötig ist, kann er sich auch in den Spielaufbau einschalten, und Verbindungen herstellen, wenn sich zum Beispiel Hosogai weiter zurückfallen lässt.

4-4-1-1 und Sané-Falle gegen den Ball


Offensiv baut Hannover sehr viel Offensivpräsenz auf und versucht über direktes Spiel und zweite Bälle Druck zu machen. So rücken bei langen Bällen die Sechser abwechselnd auf und stürzen sich in den Kampf um den zweiten Ball. Dazu haben sie mit Sobiech und Harnik ein bewegungsstarkes Sturmduo, das prima miteinander harmoniert und immer wieder für Unordnung in den gegnerischen Abwehrreihen sorgen kann. Außen spielen dagegen sehr lineare Spielertypen, die Läufe hinter die Abwehr und simple Durchschlagskraft abliefern, wobei mit Prib oder Karaman auch einrückendere, spielstärkere Optionen möglich sind. Um dieser Präsenz erfolgreich entgegenzutreten, dürften drei Spieler in der letzten Linie nicht reichen. Gegen den Ball verwandelt sich das 3-2-4-1 des VfB daher in ein 4-4-1-1, indem Grgic in die Innenverteidigung zurückfällt und Gentner die zweite Sechserposition übernimmt.

Damit soll der Spielaufbau auf den linken Innenverteidiger Salif Sané gelenkt werden. Das ist zwar riskant, da Sané sehr pressingresistent ist und prinzipiell über ein gefährliches Passspiel verfügt, aber der Senegalese lässt sich auch gerne zu strategisch unsinnigen Aktionen und unbedachtem Aufrücken hinreißen und das sollte der VfB versuchen zu provozieren. Tashchy orientiert sich dafür an Anton und schneidet damit auch Sorg etwas vom Passspiel ab. Sané soll dagegen freigelassen, zum Aufrücken verleitet und vom etwas tiefer positionierten Maxim bogenartig angelaufen werden, damit er in Entscheidungsnot gerät.


Hunderprozentig stabil wäre das zwar nicht, aber man hätte dafür gute Chancen auf hohe Ballgewinne. Problematisch könnte zum Beispiel sein, dass Schmiedebach sich mit zu vielen Freiheiten im Grgic-Grundraum bewegen darf. Um das zu verhindern, soll Asano enger spielen, damit Schmiedebach nicht gleich anspielbar wird, wenn Maxim diesen Raum mal nicht in seinen Deckungsschatten reinbekommt. Klar suboptimal aufgehoben ist außerdem Gentner; in so einer tiefen und abwartenden Position neigt er schnell zu haltlosen Positionierungen und sonstigen Fehlern, allerdings könnte er auch gelegentliche, plötzliche Pressingläufe auf Sané anbringen, und ihn so überraschen. Mit Anlaufen von vorne kommt er weniger gut zurecht, als von hinten oder von der Seite.

Gegen die etwas statische und flache Offensivreihe von Hannover hat man dann relativ klare Zuteilungen. Insua kann seine Fähigkeiten im Herausrücken gegen den mit dem Rücken zum Tor schwachen Sarenren Bazee einbringen, mit Grgic und Baumgartl hat man außerdem Akteure mit gutem Stellungsspiel, die Sobiechs uns Harniks Bewegungen gut verteidigen können. Kaminski kann als Rechtsverteidiger außerdem durchaus das Tempo von Klaus mitgehen, falls zum Beispiel Sobiech doch mal einen Ball zwischen den Linien bekommt und auf die Seite weiterleitet.

Insgesamt könnte man mit einer solchen Ausrichtung extrem viel Gefahr verursachen, wobei man aber unter anderem durch die Umformung von Vierer- zu Dreierkette und das ambitionierte Aufbauspiel auch ein wenig Stabilität einbüßen müsste. Die Möglichkeiten, die die gleichzeitig kreative und durchschlagskräftige Offensivabteilung bietet, könnten so aber ideal eingesetzt werden, um die Räume, die Hannover im Pressing lässt, stringent und elegant durchzuspielen. Auf der Pressekonferenz hat Hannes Wolf übrigens schon so ein kleines bisschen anklingen lassen, dass er eine spezielle Idee für das Spiel im Kopf hat. Dass es sich dabei um ein 3-2-3-2 handelt, das gegen den Ball zum 4-4-1-1 wird ist zwar unwahrscheinlich, aber erstens, wer weiß und zweitens, vielleicht findet sich ja am Montag trotzdem die eine oder andere Idee in ganz ganz abgeschwächter Form im Spiel des VfB wieder.

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