Sonntag, 21. September 2014

4. Spieltag: VfB Stuttgart - TSG 1899 Hoffenheim 0:2

Fünftes Spiel, vierter Gegner mit passivem 4-4-2, dritte Niederlage. Auch die Umstellung Vehs auf eine Rautenformation bringt nur eine minimale Verbesserung und kann die grundsätzlichen mannschaftstaktischen Offensivprobleme nicht lösen.

Neue Formation, alte Probleme


Startformationen
Gegen die gut in die Saison gestarteten Hoffenheimer von Markus Gisdol stellte Veh auf eine Raute um. Diese Formation war bereits in der Vorbereitung ausprobiert worden, konnte in den Testspielen aber noch nicht die gewünschte Effektivität entfalten. Gegen die TSG sollte vor allem sehr viel Offensivpräsenz erzeugt werden; so rückte Gentner von seiner linken Halbposition aus diagonal zwischen die gegnerischen Linien auf und positionierte sich dort mit Didavi, Harnik und Werner für direkte Zuspiele. Leitner rückte entweder ebenso mit auf oder besetzte verschiedene Aufbauräume und unterstützte dort. Die Außenverteidiger spielten gewohnt hoch und überliefen die enge Formation auf den Flügeln.

Bei Hoffenheim begannen der ehemalige Stuttgarter Rudy wegen Personalproblemen als Außenverteidiger. Im Mittelfeld spielte Polanski als tiefster Sechser, während Schwegler halbrechts ein bisschen aufrückte und manchmal ein 4-3-3 herstellte. Firmino tummelte sich halblinks, wo er von Beck und Neuzugang Zuber unterstützt wurde. Nach den ersten Angriffspressing-Minuten zogen sich die Kraichgauer in ein 4-4-2-Mittelfeldpressing zurück, wobei sie eng zusammenrückten und konsequent das Zentrum schlossen. Zwar erreichten sie damit eine gute horizontale wie vertikale Kompaktheit, aber sie schoben nicht richtig auf den Flügel, sodass der VfB ein paar Mal einfach die Linie entlag spielen konnte. Die andere Route führte die Gastgeber durch die Zehnerräume, die vor allem Schwaab sehr gut bediente. Zwar landeten sie auch bei den folgenden Kombinationen zunächst nur auf dem Flügel, aber kamen immerhin zu guter Offensivpräsenz und konnten sich erste Chancen erarbeiten.

Gisdol reagierte prompt auf die Anfälligkeit seiner Mannschaft, indem er Elyounoussi eine Mannorientierung auf Sakai verordnete. Dadurch entstand in der Defensive häufiger ein 5-3-2, das die Breite besser abdeckte und ein einfaches Aufrücken über die Seite verhindern konnte. Das stabilisierte die Hoffenheimer Mannschaft merklich, da es der VfB verpasste, sich die damit einhergehende Abnahme der Zentrumskompaktheit zunutze zu machen. Ein Grund dafür waren die suboptimalen Angriffsstaffelungen: Zum einen rückte Leitner zu weit nach links und ließ den rechten Halbraum, der auch nicht von einem balancegebenden Mitspieler besetzt wurde, unbesetzt. Zum anderen spielten sie mit fortlaufender Spieldauer kollektiv immer höher und unverbundener. Dadurch zerstörten sie sich selbst Entwicklungsmöglichkeiten für ihre Angriffe und hingen immer öfter auf der Seite oder in der Tiefe fest. Falls dann passende Staffelungen da waren, wurden sie entweder nicht bewusst genug bespielt, das Anbietverhalten passte nicht zur suggerierten Spielrichtung oder es wurde zu schnell das Spiel in die Spitze fokussiert.

Vorausgegangen ist ein Ballgewinn im Gegenpressing, den der VfB nicht ideal ausspielt und somit wieder auf dem Flügel landet. Die vier vorderen Spieler schieben anschließend allesamt in die Spitze, sodass Leitners Passoptionen, in den rot markierten Räumen, quasi auf null reduziert werden und er sich letztlich verrennt. Das Freilaufverhalten ist plump in die Vertikale gerichtet und fast schon entkoppelt vom tatsächlichen Spielgeschehen.

Neben den Ballbesitzangriffen wurden auch die vereinzelten Konter wieder mal äußerst schwach augespielt. Andere Mannschaften können durch solche Szenen auch mal früh in Führung gehen:

Das alte Lied, gleich in der 1. Minute: Der VfB hat sich vorher toll aus dem Gegenpressing der Hoffenheimer gelöst, aber Leitner verschenkt die entstandene Konterchance mit einem unsinnigen hohen Ball auf den Flügel.

Und weil's so schön ist gleich noch eine: Didavi holt sich den Ball von Polanski und der VfB könnte einen brandgefährlichen 3-gegen-2-Konter aufziehen. Wegen dem erzwungenen Zurückweichen der Innenverteidiger muss Didavi eigentlich in den frei werdenden Raum hineindribbeln, tut es aber einfach nicht und bremst stattdessen ab. Damit wird er unter dem Druck des zurückeilenden Polanski zu einen verfrühten Pass in die Spitze verleitet, den Süle einfach abfangen kann.

Und was macht Hoffenheim so?


Die Gäste konnten sich derweil mit der Führung im Rücken getrost auf ihre Stabilität und einzelne Nadelstiche konzentrieren. Im eigenen Aufbauspiel waren sie daher nicht sehr ambitioniert; zwar rückte Baumann einige Male etwa 10 Meter vor seinen Strafraum auf, aber es gab kein Auffächern der Abwehrreihe. Der VfB stellte mit Didavi, Werner und Harnik mannorientiert zu und Hoffenheim reagierte mit langen Bällen auf die linke Seite, wo sie versuchten, über Firmino und vereinzelten Überladungen diagonal in die Mitte zu kommen.

Da der VfB durch das Aufrücken von Didavi im Pressing nicht so kompakt im Mittelfeld war, entwickelten hier sich ein paar Ansätze für Hoffenheim, aber es fehlte zum einen schlicht an der Quantität solcher Angriffe, um wirklich etwas zu bewirken und zum anderen stoppten die Gastgeber viele dieser Ansätze mit taktischen Fouls.

Ansonsten versuchten sie es mit Kontern gegen den VfB, dessen Gegenpressingstärke im Gleichtakt mit der Qualität der Angriffsstaffelungen schwankte, aber insgesamt ordentlich war und erst gegen Ende deutlich abnahm. Vereinzelt gingen die Schwaben auch über das Zustellen von Baumann und der Innenverteidiger hinaus sehr gut ins Pressing, sodass man ihr Defensivverhalten an sich erneut kaum kritisieren kann. Hoffenheim ging allerdings auch nicht immer das allerletzte Risiko im Nachrücken und konzentrierte sich eher auf die eigene Absicherung.

Anpassungen mit marginalem Effekt


In den letzten Minuten vor der Halbzeit kippte Didavi für einige Minuten links heraus wo sich wegen der Elyounoussi-Mannorientierung etwas Raum öffnete. Grundsätzlich war das eine sinnvolle Maßnahme, die aber wegen der schwachen Bewegung und den Anschlussentscheidungen um ihn herum nicht besonders effektiv war und nach der Pause wieder über Bord geworfen wurde.

Im Verlauf der zweiten Hälfte wechselte Veh dann Rausch, Maxim und Kostic ein und stellte letztlich auf 4-2-3-1 um. Dadurch fokussierte der VfB mehr das Flügelspiel, was aber nur mäßig funktionierte, auch weil die TSG bei Bedarf den ballfernen Sechser weit herüberschob und somit eine gute Kompaktheit erreichte. Bei Hoffenheim kam Volland für Zuber, was ihre Konter noch ein Stück gefährlicher machte. So fiel auch das 2:0, als Maxim in seiner bemitleidenswerten Rolle als isolierter Rechtsaußen den Ball verlor und Volland für Elyounoussi durchsteckte. Ob der VfB diesen einfachen Konter wohl auch so ausgespielt hätte?

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