Sonntag, 10. Mai 2015

32. Spieltag: VfB Stuttgart - 1. FSV Mainz 05 2:0

Ein paar neue Mechanismen, starke Defensivanpassungen und eine dankbare Ausrichtung des Gegners besorgen einen überlebenswichtigen Sieg im Abstiegskampf.

Stevens wieder in Form


Gegen die von Martin Schmidt trainierten Mainzer brachte Stevens den wiedergenesenen Didavi anstelle von Maxim und veränderte im Zuge dessen die umliegenden Offensivmechanismen ein wenig. So tendierte die Ausrichtung deutlich mehr Richtung 4-1-4-1, während Gentner von der halblinken Acht nach halbrechts rückte und Didavi seine Lieblingsrolle als zurückfallender halblinker Achter/Zehner ermöglichte. Diese veränderte Formation erlaubte es Gentner noch ein Stück offensiver aufzutreten und weit auf den rechten Flügel oder in den Sechzehner vorzustoßen.

Die Rheinhessen hielten mit einer Raute dagegen, die sich in der ersten Halbzeit als ziemlicher Fehlschuss erwies. Gegen die Aufbauspieler Geis und Baumgartlinger verodnete Stevens strikte Mannorientierungen seitens Gentner und Didavi. Ginczek bewegte sich davor zwischen den Innenverteidigern und streute gelegentlich isolierende Läufe ein. Die Außenstürmer hielten sich lose an den gegnerischen Außenverteidigern, während Klein und Schwaab wiederum freier blieben und verschiedene Spieler aufnehmen konnten. Besonders auffällig war diese Flexibilität bei Klein der (sowohl gegen als auch mit dem Ball) phasenweise eine Art Mischrolle aus Sechser und Außenverteidiger spielte und von dort aus manchmal sogar Moritz aufnahm. Jairos Ausweichen in den offenen Raum dahinter wurde dann von Rüdiger verfolgt, der in solchen Szenen mit seiner Athletik punkten konnte, während Baumgartl und Schwaab Überzahl gegen Okazaki hatten.

Der größte Gewinn in dieser Ausrichtung war allerdings, dass Mainz kaum über die Sechser aufbauen konnte. Im Prinzip gab es aber dennoch zwei vielversprechende Ansatzpunkte: Erstens hatten Geis und die Achter theoretisch Überzahl gegen Didavi und Gentner. Das wurde deswegen nicht zum Problem, weil Mainz es nicht verstand, Moritz halbrechts zu finden und auch die Innenverteidiger ohne Bell zwar einen spielerisch soliden Job machten, aber kaum öffnende Vorstöße gegen die Mannorientierungen zeigten. Außerdem hatte Geis mit dem mannorientierten Druck von Didavi extrem zu kämpfen, weil er seine Hollywood-Pässe nicht vernünftig vorbereiten konnte und so seine strategischen Defizitie deutlich offengelegt wurden. Blieb also noch Baumgartlinger, der in seiner tiefen, seitlichen Grundposition besonders viel Druck hatte und kaum Anbindung fand.

Die zweite potentielle Problemzone war der Sechserraum, der mit Die nur einfach gesichert war. Wenn Moritz aufrückte geriet der VfB hier tendentziell in 1-gegen-2-Unterzahl. Das Lahmlegen des Mainzer Spielaufbaus sorgte aber dafür, dass Mainz gar nicht erst in diesen Bereich hineinkam. Stattdessen gab es wieder vermehrt das Einkesseln auf dem Flügel zu sehen, verbunden mit viel Rückwärtspressing und weitem Verschieben von Die, der seinen Deckungsschatten klug nutzte und damit den offenen Raum im Zentrum abtötete. Dadurch wurden die Flügelansätze der Mainzer zerquetscht und Balleroberungen erzielt. Dabei spielte dem VfB in die Karten, dass Mainz besonders auf der linken Seite mit dem zurückhaltenden Bengtsson kaum über Breite verfügte und so keine besonders große Gefahr durch Verlagerungen herrschte. Harnik konnte sogar höher bleiben und sich schon für den Konter positionieren. Gleiches gilt für Didavi und Gentner, die gegen Baumgartlinger und Geis vorne bleiben konnten und für den Umschaltangriff unmittelbar zur Verfügung standen.

In der Offensive gab es dann die üblichen gut eingespielten Mechanismen, wobei durch die Herausnahme von Maxim der Fokus ein wenig vom Zusammenspiel halbrechts mit Harnik und Ginczek weggenommen und noch stärker auf Flanken von Kostic gerichtet wurde. Günstigerweise presste Mainz in einem 4-3-1-2 mit aufrückendem Zehner, das viel Raum auf den Flügeln ließ. Am eigentlichen Innenverteidiger Bell konnte Stuttgarts Linksaußen dementsprechend nach Verlagerungen ohne Probleme vorbeirennen, selbst wenn jemand zum Doppeln dazukam.

Alternativ gab es auch die Möglichkeit, die von Mainz freigelassenen Außenverteidiger einzubeziehen - besonders Schwaab spielte ein paar gute diagonale Eröffnungen. Da der Zusammenhang zwischen dem eng gestaffelten Dreiermittelfeld und den Offensiven bei Mainz gegen den Ball nicht ganz optimal war, gab es auch für Didavi oder Die Möglichkeiten, anschließend aus dem Raum vor dem Mainzer 7er-Block heraus zu agieren und (meist auf Kostic) zu verlagern oder im Fall von Didavi mal einen Fernschuss zu wagen. Mainz' enorme Kompaktheit im Sechserraum brachte ihnen somit rein gar nichts, weil der VfB diese Zone sowieso umsegelte. Auf diese Weise dominierte der VfB die erste Halbzeit klar und deutlich mit 10 zu 2 Schüssen und 56% Ballbesitz, verpasste es aber, den Führungstreffer zu erzielen.

Zweite Halbzeit


In der Pause stellte Schmidt dann erwartungsgemäß um und brachte den enorm engenstarken Koo für Moritz. Im folgenden 4-2-3-1 spielte der Koreaner links und Jairo fortan rechts. Das ganze brachte eine Reihe von Verbesserungen mit sich: Nach langen Bällen, die jetzt vor allem auf die linke Seite gespielt wurden, konnte Mainz den Ball besser sichern, weil mehr Breite und damit mehr Raum vorhanden war. Außerdem gab es halblinks mehr Aktivität und neue Aufgaben für die Stuttgarter Mannorientierungen. Koos und Mallis Zurückfallen in den seitlichen Sechserraum waren nicht ganz trivial aufzunehmen, da Gentner und Didavi wie erwähnt gebunden waren und die Außenverteidiger sich zurückhielten um nicht von den nur lose von Harnik und Kostic verfolgten Außenverteidigern überrannt zu werden. Weil Baumgartlinger außerdem zentraler agieren konnte, wurden Malli und Koo halblinks frei und konnten ein paar Angriffe initiieren.

Dabei wurden sie vom VfB zwar oft noch auf den Flügel geleitet, aber manchmal kamen sie doch zwischen die Stuttgarter Linien, wurden dann aber vom überraschenden Rückwärtspressing Didavis gerade noch abgewürgt. Ein Problem bei den Gästen war auch, dass sie immer noch dazu neigten sich die Räume durch unterstützende Bewegungen selbst einzuengen, so beispielsweise beim vereinzelt nach rechts herüberschiebenden Baumgartlinger, oder den Offensivspielern, die sich hin und wieder etwas auf den Füßen standen. Mainz kam daher zwar besser nach vorne, verbuchte im Endeffekt aber doch kaum Chancen.

Auf der anderen Seite hatte die Umstellung auf 4-2-3-1 auch zur Folge, dass der VfB nicht mehr so einfach über die Flügel aufrücken durfte. Die Außenverteidiger hatten nun direkten Druck von Jairo und Koo, die auch nach hinten unterstützen konnten. Auch wenn die Aufbauszenen aus diesem Grund schwächer wurden, blieb der VfB trotzdem gefährlich durch zweite Bälle und Konter, bei denen sich die Formation der Mainzer stärker zusammenzog als bei geordneten Aufbausituationen. Ein Geschenk von Karius und ein langer Ball besorgten dann letztlich die Tore zum verdienten Heimsieg.

Fazit


Eine Halbzeit lang zerlegt der VfB eine weitere Raute durch Einkesseln auf den Seiten und gut gewählte Mannorientierungen auf die gegnerischen Aufbauspieler. Ihre verdienten Tore erzielten die Stuttgarter dann in der etwas ausgeglicheneren zweiten Halbzeit. Mainz enttäuschte erst mit einer sehr unpassenden Ausrichtung und kam dann durch die Umstellung nur mit einem halbes Bein zurück ins Spiel.

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