Sonntag, 14. Juni 2015

U17-BL Finale: VfB Stuttgart - Borussia Dortmund 0:4

Um die Sommerpause zu überbrücken, werfen wir einen kleinen Blick auf das Finale der U17-Bundesliga, in dem eine suboptimal strukturierte VfB-Mannschaft pressingstarken Borussen aus Dortmund etwas deutlicher als es das Spiel hergab unterlag.

Stuttgarts Offensivplan


Die von Domenico Tedesco trainierten Stuttgarter traten in einem hohen 4-2-3-1 an, das eine eine relativ deutliche Trennung zwischen Offensive und Defensive vorsah. Einer der Sechser – meistens Benedict dos Santos – ließ sich beständig zwischen die Innenverteidiger fallen, während die vier Angreifer sich an der letzten Linie orientierten und so das zentrale Mittelfeld dem übrig gebliebenen Sechser weitgehend allein überließen.

Anschließend sollten mit Vertikalpässen aus der Aufbaudreierkette Kombinationen auf dem Flügel oder in den Halbräumen angeleitet werden. Darauf reagierten die Dortmunder von Hannes Wolf allerdings gut, indem die Stürmer eng beieinander blieben und bei Pässen auf den auffächernden Innenverteidiger konsequent nachschoben. Besonders Manuel Kober fand sich so häufig in isolierten Situationen wieder, die wegen Dortmunds hoher Kompaktheit auf dem geradlinigen Weg kaum zu lösen waren.

Ein Problem des VfB war dabei, dass das Abkippen des Sechsers zu statisch geschah und damit effektiv eine Anspielstation im zentralen Mittelfeld verloren ging. Außerdem wurde damit die Einbidung des spielerisch ansatzweise durchaus kompetenten Philipp Köhn behindert. Dadurch musste der VfB immer wieder den vorhersehbaren Weg über den Flügel nehmen und brachte seinen individuell womöglich besten Mann Georgios Spanoudakis nicht richtig ins Spiel. Selbst wenn der ehemalige La Masia-Schüler mal hinter Dortmunds Pressingspitzen an den Ball kam, war der Abstand zu seinen Mitspielern so groß, dass er zu unsinnigen langen Bällen verleitet wurde.

Einige gute Szenen hatte dagegen sein Partner dos Santos, der aus seiner tiefen Position immer wieder mal kraftvolle Vorstöße mit Ball einstreute, die zwar sehr riskant waren, aber allesamt gut gingen und mit guten Eröffnungen in die Halbzonen abgeschlossen wurden. So richtig Effektives kam dadurch aber auch nicht zustande, da das Zusammenspiel in der Offensive auch nicht optimal funktionierte. Beispielsweise gab es halbrechts, wo Azad Toptik sehr zurückhaltend in die letzte Linie auswich keine Anspieloption, für die der Stuttgarter Rechtsaußen hätte Raum öffnen können. Auf der anderen Seite war Cedric Guarino in seinen Optionen wegen Dortmunds Verschieben sehr eingeschränkt, während Esmel und Özcan oft weit auf diese Seite auswichen und ihn in etwas tiefere Positionen drückten, die allerdings nicht wirklich in die Abläufe eingebunden wurde. Infolgedessen ging außerdem die Verbindung ins Zentrum verloren.

Generell spielten die VfB-Angreifer etwas zu hoch und ungestaffelt. Es gab kaum zurückfallende Bewegungen, beispielsweise vom eher unpräsenten Berkay Özcan, um das Mittelfeldloch zu füllen. So kam es, bis auf ein paar gute Flügelsituationen mit dem offensivstarken und diagonalen Nguisani und individuellen Szenen des äußerst robusten und teils überraschend kreativen Esmel, zu wenig durchschlagenden Kombinationsspiel.

Dortmund kontert - und findet ins Mittelfeld


Der BVB hingegen konzentrierte sich zunächst vor allem auf die Pressingarbeit und versuchte den VfB im Umschalten zu erwischen. Durch die eine oder andere druckvolle Szene über die Flügel kamen sie in den ersten etwa 20 Minuten auch zu ein paar ersten Chancen. Danach deckten sie aber auch die Schwächen des Stuttgarter Pressings auf.

Die beiden Spitzen in Stuttgarts 4-4-2 staffelten sich nicht ganz so passend zueinander wie bei Dortmund, sodass hinter dem nachschiebenden ballnahen Akteurs ein Sechser frei wurde. Am Anfang überspielte der BVB diesen noch unbedacht, aber nach etwa der Hälfte der ersten Halbzeit und vor allem nach der Pause dann fanden sie dort immer häufiger Nationalspieler Burnic und kamen so auch durch das Zentrum nach vorne.

Dort staffelten sich die Außenspieler etwas enger als beim VfB und waren so etwas besser verbunden. Der Däne Jacob Bruun Larsen zeigte dabei ein gutes, angenehm unaufdringliches Bewegungsspiel und versuchte sich balanciert ins Kombinationsspiel einzubrigen, während Felix Passlack rechts mehr für die Durchschlagskraft verantwortlich war.

Letztlich kam es nach den ersten Wechseln auf Seiten der Dortmund zu einem Doppelschlag, der allerdings nicht gerade zwangsläufig durch einen (unberechtigten) Freistoß und offenbar einen tiefen Ballverlust (die Regie zeigte lieber Dortmundfans) zustande kam. Das 0:3 folgte einige Minuten später, als der VfB ins Gegenpressing ging, aber nicht konsequent das weite Aufrücken von Nguisani absicherte. Der eingewechselte Zielspieler Serra verlängerte den folgenden langen Ball in den Lauf von Passlack – 0:3.

Kurz zuvor hatte Tedesco Innenverteidiger Max Weber für Toptik eingewechselt und auf Raute umgestellt. Guarino wechselte auf die rechte Halbposition, Spanoudakis spielte fortan links und Allrounder Groiß ging neben Esmel in die Spitze. Offensiv gab es in der 62. Minute auch eine gute Szene, in der Özcan und Spanoudakis halblinks gut zueinander fanden und – eingeleitet von dos Santos – einen schönen Doppelpass spielten, der zu einer guten Chance für Groiß führte. Allerdings wirde mit der Auswechslung von Spanoudakis kurz darauf ein breites 4-4-2 umgestellt und es kam nur noch wenig Gefährliches zustande.

In beiden Formationen ergaben sich außerdem neue Löcher, die durch das inkonsequente Einrücken der Halb-/Flügelspieler entstanden und den Dortmundern Passlack, Pulisic und dem eingewechselten einrückenden Linksaußen Güner viel Raum boten. So verdiente sich der BVB letztlich den Sieg, auch wenn das 4:0 ein gutes Stück zu hoch ausfiel.

Fazit: Ganz kurzer Blick auf einzelne Spieler


Dos Santos überzeugte beim VfB mit gutem Aufrücken im Pressing, hoher Dynamik und mutigen Vorstößen mit Ball. Seine Ballverteilung war intelligent und vom Timing her ziemlich gut, wenn auch nicht mit allzu viel Weitblick, während seine Positionierung wie erwähnt etwas problematisch war. Ansonsten: Özcan hatte ein paar außergewöhnliche Ablagen und Weiterleitungen drin. Collinge macht einen takisch ziemlich reifen Eindruck. Max Weber schien spielstark nach seiner Einwechslung, ebenso wie Alexander Groiß. Spanoudakis kann mehr, als er im Finale gezeigt hat. Der Jahrgang hat schon einige interessante Spieler zu bieten; mal schauen, wohin deren Entwicklung noch führen wird.

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