Sonntag, 3. April 2016

Kurzanalyse: SV Darmstadt 98 - VfB Stuttgart 2:2

Fast schon gleichgültig schwimmt der VfB durch das Auswärtsspiel in Darmstadt. Ohne viel Kontrolle und mit zu eindimensionalen, unharmonischen Angriffen bringt der VfB ein in der Abwehrreihe stabiles Darmstadt nur leicht ins Wanken und hat letztlich sogar Glück, dass es noch für einen Punkt reicht.

Hektischer Start


Um gegen die mit vielen langen Bällen operierenden Gastgeber zu bestehen, tat Kramny in der Viererkette etwas mehr als nur den gesperrten Niedermeier zu ersetzen. Sunjic und Baumgartl bildeten das neue Innenverteidiger-Duo, während Schwaab als Rechtsverteidiger mehr Kopfballstärke als Klein versrpach. Diese Umstellung war allerdings schon nach 20 Minuten hinfällig, als Sunjic mit einer Gehirnerschütterung raus musste.

Bis dahin war das Spiel in relativ unkontrollierter Manier hin und her gelaufen. Darmstadt begann mit relativ hohem Pressing, gegen das sich der VfB zunächst kaum wehrte. Vielmehr schlug der VfB einen ähnlich vertikalen Rhythmus an, wie die Darmstädter, sodass die erste Viertelstunde durch viele offene Situationen geprägt wurde und Chancen auf beiden Seiten hervorbrachte. Nach dieser Anfangsphase häuften sich die Aufbausituationen für den VfB und die Sechser legten ihre anfängliche Passivität nach und nach ab. Die füllte die Aufbaureihe nun einige Male zu einer Dreierkette auf, während Didavi oft in den Sechserraum zurückfiel und Gentner nach vorne schob.

Etwas kontrollierter danach, aber nicht wirklich gut


Darmstadt ging jetzt in ein tieferes Mittelfeldpressing über, wobei sie gewohnt mannorientiert auftraten. Der aggressiv herausschiebende Gondorf übernahm zum Beispiel immer wieder mal Serey Die oder Didavi, wenn dieser zurückfiel, während Niemeyer dann weite Räume zu sichern hatte. Die Flügel wurden durch die konsequente Rückarbeit von Heller und Rausch geschlossen, wobei auch die Sechser teilweise weit verschoben und außen mithalfen. Das offene Zentrum wurde ansatzweise von Vrancic und Wagner per Rückwärtspressing attackiert.

Gegen die gerade in letzter Linie also recht massiv stehenden Darmstädter fand der VfB nicht die richtigen Antworten. Kravets versuchte zwar, durch ausweichende Läufe immer wieder Raum zu öffnen, das war aber wegen der Vielzahl an Gegenspielern schwierig und wurde außer von Rupp zudem von niemandem so richtig aufgenommen. Gerade Didavi und Gentner blieben einige Male in den falschen Momenten passiv, anstatt sich in die Mechanismen halbrechts einzufügen. Ansonsten sorgten Rupps Läufe ins Zentrum eher für einen Linksfokus (fast die Hälfte der Angriffe lief über diese Seite). Hier rückte Kostic ungewohnt weit ein und sollte mit diagonalen Läufen in die Spitze für eine Option in der Tiefe sorgen. Zwar klappte das ein, zwei Mal gut, allerdings hatte er auch Probleme, sich mit dem Ball im Zentrum zu behaupten.

Grundsätzlich war es ein dauerhaftes Problem, dass der VfB immer wieder sehr früh die letzte Linie suchte. Meist konnte so nur eine relativ isolierte ausweichende Bewegung bespielt werden, ohne dass ein klarer Durchbruch zustande kam. Die Räume im Zentrum und in ballfernen Zonen wurden zu selten und wenn dann zu undynamisch genutzt. Lockende Kombinationen, um die teilweise mit bis zu sechs Mann aufgefüllte Viererkette der Hessen aufzureißen wurden kaum gesucht. Strukturell hatte der VfB außerdem die üblichen Probleme mit der Zweiteilung im Aufbauspiel. Nach der Pause wurde das sogar noch extremer, da Die nun fast dauerhaft abkippte und Gentner öfter nach vorne ging. Zumindest kann man aber positiv anmerken, dass Didavi und Rupp den Spielaufbau etwas konsequenter unterstützten als sonst und so auch für die eine oder andere bessere Szene sorgen konnten.

Die zweite Halbzeit setzte im wesentlichen eine Entwicklung fort, die schon nach den ersten 15 Minuten eingesetzt hatte: Dass Darmstadt wieder mit Angriffspressing anfing, verkam zur Randnotiz, denn diesmal gelang es dem VfB schneller den Fuß in die Tür zu bekommen. Der VfB baute sein Ballbesitzplus aus und kam zu Offensivpräsenz, blieb aber nach wie vor ohne die wirklich klaren Chancen. Vielmehr hatte Darmstadt noch ein paar gute Möglichkeiten im Umschalten, legte aber kein Tor mehr nach. Michael Caleys Metrik spuckte am Ende sogar ein 2,7 zu 0,5 nach Expected Goals heraus, was ein bisschen übertrieben scheint und das Kräfteverhältnis wahrscheinlich nicht optimal widerspiegelt, aber nichtsdestotrotz einen ganz schön bedenklichen Anhaltspunkt dafür liefert.

Kommentare:

  1. Warum hast du noch nicht die Analyse gegen Bayern geschrieben? Es ist immer ganz interessant!

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    1. Hätte eigentlich gern eine gemacht, weil das Spiel schon interessant war, aber hat leider zeitlich nicht hingehauen. Ansonsten gibts aber eh eine sehr gute Analyse bei Spielverlagerung:
      http://spielverlagerung.de/2016/04/10/vfb-fcb-2016/

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