Mittwoch, 13. Juli 2016

Neuzugang: Anto Grgić

Die wichtigste Planstelle im VfB-Kader wurde endlich besetzt. Das Loch, das Serey Die vermutlich im zentralen Mittelfeld hinterlassen wird, soll der junge Anto Grgic füllen. Sein junges Alter ist ein wichtiger Fakt, denn bei Grgic handelt es sich um einen höchst entwicklungsfähigen Spieler, der einerseits über sehr gute Anlagen verfügt, andererseits aber noch deutlich an Profil und Effektivität gewinnen kann.

Wahrnehmung und Pressing


Vielleicht die herausragende Stärke von Grgic ist die blitzschnelle Wahrnehmung seiner Umgebung und der Optionen, die sich daraus ergeben. Dadurch ist er in der Lage, am Ball sofort die richtigen Räume zu finden und den Ball dorthin zu befördern. Viele Ballkontakte sind nicht sein Ding, er präferiert eine flotte, raumnutzende Zirkulation. Sogar bei gegnerischem Ballbesitz sucht er schon mögliche Anspielstationen für den Fall des Ballgewinns und leitet die Kugel nach der Balleroberung ohne Umschweife nach vorne weiter.

A propos Bälle gewinnen. Nächste Stärke von ihm. In der Pressingbewegung profitiert er enorm von seiner Spielübersicht. Mit ihrer Hilfe stellt er konsequent und flexibel Passwege zu, läuft gut an und nimmt Gegenspieler in den Deckungsschatten. Als Sechser verstärkt er außerdem pflichtbewusst die Strafraumverteidigung und lässt sich in den richtigen Momenten in die Schnittstelle zwischen Außenverteidiger und Innenverteidiger fallen. Er schiebt Überladungen des Gegners zu und lässt ungefährliche Räume offen. Das alles tut er sehr balanciert und mit beeindruckender Präzision.

Einzig die Dynamik scheint ihm ein wenig zu fehlen, sodass er keine großen Löcher im Alleingang zumachen kann, so wie es Serey Die immer wieder gelingt. Außerdem ist er trotz seiner stattlichen Körpergröße recht zweikampf- und kopfballschwach. In beiden Bereichen fehlt ihm sowohl das physische Durchsetzungsvermögen, als auch ein bisschen das individualtaktische Geschick. Dennoch zeigte er gerade am Boden auch schon sehr starke Szenen, bei denen er den Ball clever wegspitzelte. Gut möglich, dass er sich hier mit wachsender Erfahrung noch deutlich steigern wird.

Balancierender Passspieler mit Potential für mehr


Im Ballbesitzspiel kombiniert Grgic Übersicht mit gutem Spielverständnis. Insgesamt ist er jedoch sehr zurückhaltend unterwegs. Seine Pässe sind dennoch präzise, gut getimt und kommen mit passender Gewichtung in sinnvolle Räume. Sein Bewegungsspiel ist sehr balanciert, aber nicht besonders weiträumig. Oft sieht man ihn beispielsweise leicht aufrücken und freie Räume besetzen oder leicht ausweichen, um eine einrückende Bewegung des Kollegen auszugleichen. Auch in Ballnähe bietet er sich aktiv an und schafft Optionen und Räume.

Bei allem Lob für sein Verhalten in Ballbesitz ist das „Big Picture“ angesichts seiner Fähigkeiten doch irgendwie unbefriedigend. Er ist einerseits kein Spielmacher; dafür fehlen ihm Präsenz und auch ein bisschen die Kreativität und Weiträumigkeit im Passspiel. Andererseits ist er aber auch kein wirklicher Hintergrundstratege wie etwa Oriol Romeu. Seine Pässe sind oft einen Tick zu „logisch“, er ist selten derjenige, der neue Möglichkeiten erschließt, sondern eher der, der die schon eröffneten Optionen bestmöglich bespielt. Auch sucht er keine engen Situationen, sondern weicht ihnen regelrecht aus, leitet den Ball hastig weiter oder haut ihn auch mal auf die Tribüne. Kurzum, er ist ein sehr guter Taktiker aber noch kein ausgereifter Stratege, der den Rhythmus des Spiels bestimmen kann. Vielleicht so ein bisschen das Lars Stindl-Phänomen. Nichtsdestotrotz hat Grgic mit seiner hervorragenden Spielübersicht absolut das Zeug dazu, diese Fähigkeit zu entwickeln und künftig weitreichenderen Einfluss auf das Spiel seiner Mannschaft zu nehmen. Bis dahin hat der VfB zumindest einen sehr guten, sauberen Passspieler im Team.

Mögliche Rollen beim VfB


Sowas ähnliches habe ich schon beim Artikel zu Marcin Kaminski geschrieben mit dem leisen Zweifel, ob er im Endeffekt nicht auf einen Zuarbeiter für schlechte Aufbauspieler reduziert wird. Diese Verpflichtung entkräftet diese Bedenken bei beiden Spielern zumindest ein bisschen. Angenommen man bringt das Dreieck Kaminski-Grgic-Baumgartl zusammen und die werden alle noch einen Tick spielmachender, dann könnte man die kreative Last im Aufbau gleichmäßig auf drei hochklassige Schultern verteilen. Das wäre schon mal eine ziemlich gute Basis.

Bei Zürich spielte Grgic auf vielen verschiedenen Positionen, beim VfB scheint er dagegen klar als Sechser eingeplant zu sein. Das ist auch gut so, denn, wie schon mehrfach gepredigt, benötigt der VfB dringend Struktur- und Balancegeber im Mittelfeldzentrum. Zusammen mit Maxim könnte es ihm in einer tiefen Sechserrolle gelingen, die Bewegungen von Gentner zu balancieren. Falls Maxim allerdings in einer attackierenden Rolle eingesetzt wird, könnte es wiederum Probleme geben. Wie gut Grgic Räume im Gegenpressing kontrollieren kann, lässt sich gar nicht so leicht sagen; seiner Spielintelligenz stehen hier fragliche Dynamik und Zweikampfstärke entgegen. Zumindest im geordneten Pressing sollte er aber gut funktionieren und insbesondere auch die Räume hinter Gentner zuschieben können. Das sollte auch dann der Fall sein, wenn mit exzessiven Mannorientierungen gespielt wird. Zwar brilliert Grgic nicht im direkten Duell, aber wenn es darum geht, die Deckungen flexibel und ausgewogen aufs Parkett zu zaubern, kann er auf alle Fälle glänzen.

Zusammenfassung


Stärken: Übersicht, Passspiel, Bewegungsspiel, Pressing
Schwächen: Zweikampf (am Boden und in der Luft), Dynamik, strategische Einflussnahme
Stil: zurückhaltend, sauber
Prognose: Könnte in relativ kurzer Zeit noch große Schritte nach vorn machen. Ist aber auch jetzt schon ein Spieler, der dem VfB gut tun wird.

1 Kommentar:

  1. Hurra, da freue ich mich. Jetzt haben wir 2 neue und zusammen mit Baumgartl einen alten, also insgesamt 3 starke Spieleröffner, die wunderschön Bälle halten und verteilen und Angriffe eröffnen können. Vorne stehen sogar richtig gute Stürmer wie Terrode, und sogar Gentner, der mit seinen manchmal genialen "Irr"-Läufen Räume schafft, also Leute, die damit was anfangen können müssten. Warum das Ganze dann doch irgendwie ironisch klingt?
    Naja, wir sind in der 2. Liga, da ist nicht viel mit Spielen und Spielaufbau, da ist Zweikampf und Durchsetzungsvermögen gefragt. Ich mache mir aufgrund der geschilderten Zweikampf-Schwäche dann doch so meine Gedanken. Aber Luhukay hat Erfahrung in der 2. Liga, da gehe ich fast davon aus, dass nur einer der beiden Neuen sich durchsetzen wird.

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