Sonntag, 31. August 2014

2. Spieltag: VfB Stuttgart - 1. FC Köln 0:2

Deutlicher denn je ans Licht tretende Schwierigkeiten im Angriffsdrittel machen den VfB-Fehlstart perfekt. Eine Kurzanalyse mit Fokus auf die Offensivprobleme der Stuttgarter.

Grundsituation


Startformationen
Beide Mannschaften blieben sich personell weitgehend treu, lediglich bei Köln rutschte Adam Matuschyk zu Gunsten des etwas offensiveren Vogt aus der Startelf. Die Mannschaft von Peter Stöger formierte sich in einem 4-4-2-Mittelfeldpressing, das von der Höhe her dem der Gladbacher vom ersten Spieltag ähnelte, im Gegensatz dazu aber mit ein paar Mannorientierungen, über weite Strecken zum Beispiel auf den Außenbahnen, versehen war. Da die VfB-Außenverteidiger weit aufrückten, reihte sich damit vor allem Halfar häufig in die letzte Linie ein, was zusammen mit dem nicht immer ideal balancierten Herausrücken der Mittelfeldspieler für das eine oder andere große Loch im Mittelfeld sorgte.

Indem die Rheinländer ihr Pressing recht tief anlegten und beispielsweise nach Ballverlusten auf Gegenpressingbewegungen verzichteten, überließen sie den Stuttgartern bewusst die Feldhoheit und verlagerten sich hauptsächlich auf das Setzen von Kontern. In ihren wenigen Ballbesitzangriffen zeigten sie sich jedoch durchaus konstruktiv und mit ordentlichen Ansätzen. Die Flügelspieler rückten ein und besetzten die Halbräume, während die Außenverteidiger weit nach vorne schoben. Einige Male konnten sie mit dieser guten Präsenz nach vorne kommen, brachten ihre Angriffe aber zunächst nur über die Seiten durch. Aus solch einem Angriff gegen die etwas unklare Flügelverteidigung der Gastgeber gelang ihnen mit einer guten Portion Glück das Führungstor.

Stuttgarts Struktur- und Dynamikprobleme


Der VfB wiederum versäumte es erneut, seinen neuen Kombinationsfokus in Effektives umzusetzen. Nach dem Spiel meinte Veh bei Sky:

"Unser Spielaufbau ist in Ordnung, doch im letzten Drittel müssen wir besser werden.“
- Armin Veh

Wie schon in den bisherigen Spielen zu sehen war, sind die Roten heuer dank ihrer spielstarken und klugen Aufbaureihe sehr variabel und gleichzeitig zuverlässig in der Wahl ihrer Aufbaurouten, wodurch sie immer wieder in offene Bereiche hineinfinden. Bislang ist es vor allem die Fortsetzung der Angriffsbemühungen nach dem initiierenden Pass, die für Probleme sorgt. Konkret liegen die Probleme vor allem in der unkonstanten und zu undynamischen Besetzung der stragegisch wichtigen Halbzonen (besonders rechts, also die wegen der Linkslastigkeit überwiegend ballferne Seite), dem generell zu trägen Bespielen von Freiräumen und ein paar Unstimmigkeiten in den Kombinationen selbst, wenn sie dann mal zustande kommen.

Ein paar Szenen zur Verbildlichung:

7. Minute: Gentner wird von Romeu in der Enge angespielt und will den Angriff nach rechts weitertragen. Die Offensivspieler laufen aber alle in die Spitze und lassen den rot markierten Raum unbesetzt. Gerade Didavi hätte sich mit einer kurzen Bewegung nach hinten Freiheiten verschaffen können, da Halfar und Hector mannorientiert gebunden sind und Wimmer sich zunächst an Ibisevic orientiert. So allerdings kann der Österreicher Gentners Anspielversuch locker abfangen und einen Konter einleiten.
Man beachte auch die zu hohen, schlecht angebundenen Außenverteidiger.
 
27. Minute: Rüdiger bespielt Vogts Herausrücken im Pressing und findet Maxim. Weil erneut der rechte Halbraum nicht besetzt ist, bieten sich für den Angriff kaum Entwicklungsmöglichkeiten und der VfB muss umständlich den Flügel entlang kombinieren und verliert letztlich den Ball. Kölns chaotische Defensivformation, die durch die Mannorientierungen und das Herausrücken von Vogt und Maroh entstanden ist, bleibt damit ungenutzt.

38. Minute: Konstellation 10 Sekunden nach einem am eigenen Strafraum abgefangenen Konter. Stuttgarts Umschaltbewegung ist träge und in die Breite gerichtet. Der FC kann sich in Ruhe formieren.

51. Minute: Noch ein Beispiel, das zeigt, dass auch die Entscheidungen im offensiven Umschalten zu unbewusst und nicht attackierend genug getroffen werden. In dieser Szene erobern die Stuttgarter die Kugel nach einem eigenen Ballverlust schnell zurück und könnten eigentlich einen schnellen Angriff in die offene halblinke Zone einleiten. Stattdessen spielt Gentner einen Doppelpass über einen Meter mit Rüdiger, so dass dieser unter dem Druck von Vogt zu Ulreich zurückspielen muss.

Ungefähr ab der 30. Minute verbesserte sich zudem die Defensivarbeit der Kölner Mannschaft. Zwar behielten sie die Mannorientierungen und auch das Herausrücken der Sechser weitgehend bei, zogen die erste Pressinglinie aber noch einmal weiter zurück, was das Schließen der Löcher vereinfachte. Diese neue Kompaktheit sorgte bis zur Pause dafür, dass die Gastgeber nicht mehr richtig in die Kombinationsansätze hineinkamen, wenngleich sie nach wie vor aufrücken konnten.

Nach der Pause änderte sich an der Gemengelage nicht mehr allzu viel. Zunächst kam Werner für Harnik, der eine unglückliche Halbzeit gespielt hatte und auch mit seinen Läufen weniger überzeugen konnte als gewohnt. Der 18-Jährige spielte auf der linken Seite und rückte leicht ein, während Maxim auf rechts wechselte und von dort aus weiter in die Mitte ging als zuvor. Strukturell gab es dadurch eine leichte Verbesserung, da Maxim etwas entlastet wurde, aber die grundsätzlichen Probleme begleiteten den VfB auch nach der Pause. Später wurde dann noch Kostic eingewechselt, der zusammen mit dem inzwischen weit nach vorn stoßenden Gentner die Offensivpräsenz erhöhte. Das sorgte dafür, dass die Gastgeber noch ein paar Szenen hatten, kam aber andererseits auch dem Kölner Angriffsspiel zugute, da sie nun zu einigen gefährlichen Kontern gegen das Stuttgarter Aufrücken kamen und vereinzelt auch in zentrale Kombinationen zusammenfanden. Trotz der einen oder anderen Chance auf beiden Seiten fiel kein weiterer Treffer mehr.

Zusammenfassung


Mit ihrer behäbigen und unbewussten Offensivstruktur macht sich der VfB das Leben aktuell selbst schwer. Immer wieder verfangen sie sich durch ihre Staffelungs- und Dynamikprobleme in unnötig komplizierten, schlecht verbundenen Situationen, die in der Regel mit einer uninspirierten Flanke oder einem Ballverlust enden. Das große Potential, das der Kader bietet und im Spielaufbau schon deutlich sichtbar ist, kann sich damit im Angriffsspiel noch überhaupt nicht effektiv entfalten. Das macht den VfB aktuell zu einer Mannschaft, die auch gegen schwächelnde Defensiven nicht in der Lage ist, wirkliche Durchschlagskraft zu erzeugen. Es bleibt zu hoffen, dass Armin Veh schnell die richtigen Ideen findet, um seine Mannschaft in die richtige Bahn zu lenken, ansonsten könnten die Schwaben sich nach den schwierigen nächsten Spielen doch wieder am ungeliebten Tabellenende wiederfinden.

Das Lob in den Nachberichten für die Defensivleistung des FC halte ich vor diesem Hintergrund für ein wenig übertrieben, da einige Unkompaktheiten durch die Schwäche des Gegners kaschiert wurden. Wenn sie allerdings ihre starke Phasen konstanter umsetzen können, werden sie auch für andere Gegner schwer zu knacken sein.

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